Nach schwerer Attacke auf Kieler Polizisten: Gericht verurteilt den Täter zu anderthalb Jahren Jugendhaft ohne Bewährung

22. November 2016 at 14:54

Nach schwerer Attacke auf Kieler Polizisten: Gericht verurteilt den Täter zu anderthalb Jahren Jugendhaft ohne BewährungDie Tat liegt nun etwa drei Monate zurück. Wie wir berichteten, sollte eine Personengruppe in Kiel (Schleswig-Holstein) kontrolliert werden, da aus ihr heraus die Polizisten mit einem Laserpointer geblendet worden waren.

Während der Personenkontrolle, bei der sich die Beteiligten aggressiv und unkooperativ zeigten, schlug der 21-jährige Gewalttäter mit Migrationshintergrund derart heftig auf einen 37-jährigen Polizeiobermeister des 4. Reviers ein, dass dieser zu Boden ging und mit dem Kopf aufschlug.

Der Polizist erlitt durch diesen Angriff und den anschließenden Sturz einen mehrfachen Nasenbruch, einen Bruch der Augenhöhle, einen Jochbeinbruch und einen Bänderriss am Fuß. Etwa zweieinhalb Monate war der Beamte dienstunfähig und musste operiert werden.

Nun fand vor dem Amtsgericht (AG) Kiel der Prozess gegen den Gewalttäter statt, der vor Gericht auch ein Geständnis ablegte: “Ich wollte auf keinen Fall, dass Sie so schwer verletzt werden”, sagte er zu dem Polizisten, der als Nebenkläger auftrat.

Der 37-jährige Polizist gab zu Protokoll: “Es war wie ein Schlag mit einer Bratpfanne.” Dabei hatte der Beamte laut Rechtsmedizin noch Glück, dass er nach dem Schlag nicht mit dem Hinterkopf auf den Boden aufgeschlagen war. In diesem Fall hätte die Tat auch tödliche Folgen durch ein tödliches Hirnödem oder Ersticken durch das Einatmen von Blut haben können.

Dabei hatte das Gericht noch eine grundsätzliche Entscheidung treffen müssen. Die Anklagevertretung war der Meinung, dass der Gewalttäter nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden solle und forderte eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten.

Die Verteidigung forderte hingegen die Anwendung von Jugendstrafrecht und dass das Geständnis seines Mandanten strafmildernd berücksichtigt werden solle, ohne jedoch selbst ein Strafmaß zu nennen.

Das Gericht entschied sich letzten Endes das Jugendstrafrecht anzuwenden, wobei eine Abwägung beim Täter vorgenommen wird, dass er einem Jugendlichen gleichzusetzen und die Verfehlung jugendtypisch sei.

Das Urteil:

Der 21-jährige Gewalttäter wurde wegen Körperverletzung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Bedrohung zu einer Jugendfreiheitsstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Das Gericht sah diese Taten als erwiesen an, konnte jedoch hinsichtlich der Körperverletzung keine Vorsatztat bescheinigen. Der Täter habe nicht vorsätzlich, sondern spontan zugeschlagen, weshalb er nicht wegen einer gefährlichen, sondern einer “normalen” Körperverletzung verurteilt wurde.

Der Anwalt des Gewalttäters kündigte bereits an in Revision gehen zu wollen.

Wir hoffen, dass der Kollege mittlerweile wieder vollständig genesen ist und er die Tat gut verarbeiten konnte, war es doch nicht das erste Mal, dass er im Dienst schwer verletzt wurde.