Reform des Diensthundewesens in NRW: Polizeihunde sollen “sozialverträglich” und beherrschbar werden

11. November 2016 at 22:19

Reform des Diensthundewesens in NRWVieles in Deutschland, gerade wenn es dienstliche Belange betrifft, ist in irgendeiner Form geregelt. So gibt es auch Vorschriften, die das Diensthundewesen betreffen. In Nordrhein-Westfalen ist dies das Handbuch Diensthundwesen der Polizei NRW und das soll reformiert werden.

Bereits seit fünf Jahren wird an der Reform dieses Handbuches gearbeitet und nun stehe man kurz vor dem Abschluss. Wie es heißt, werde darin die “Sozialverträglichkeit von Diensthunden” vorgeschrieben, als “Ergebnis eines beherrschbaren und angemessenen Verhaltens des Diensthundes gegenüber Menschen und Tieren”.

Nun hört sich das nicht unbedingt verfänglich an. Allerdings ist offenbar mit dieser Formulierung die Absenkung des Aggressionspotentials der Polizeihunde gemeint, was unter den Diensthundeführern für massive Kritik gesorgt hat. Als “weltfremd” wurde diese Forderung in einer Eingabe beim Innenministerium bezeichnet, und weiter: “unsere Hundestaffel ist doch kein Streichelzoo. Wir brauchen die Tiere als Waffe zum Schutz der Bevölkerung und zum Schutz der Polizei”.

Zudem sei in das neue Handbuch eine Berechtigung zum Führen von Polizeihunden in größeren Menschengruppen ohne Maulkorb aufgenommen worden. Auch dies ein weitere Hinweis darauf, was das Innenministerium unter “sozialverträglich” und beherrschbar versteht. Hierzu die Reaktion eines Diensthundeführers: “Wenn wir die Hunde darauf trainieren müssen, dass selbst in solchen Stress-Situationen ein Angriff auf Passanten ausgeschlossen sein muss, sind das keine Polizeihunde mehr.”

Als weiterer Kritikpunkt wurde in das reformierte Handbuch die Forderung aufgenommen, dass Diensthundeführer nicht mehr in Zivil ihren Dienst verrichten, sondern in Uniform. Und auch die zivilen Polizeifahrzeuge der Hundeführer sollen nun auf uniformiert umgestellt werden.

Begründet wird dies mit dem Wunsch der Bürger, mehr sichtbare Polizei auf den Straßen wahrzunehmen. Da, um diesem Wunsch zu entsprechen, nicht so viele Polizisten eingestellt werden können, soll auf diesem Wege die Sichtbarkeit der Polizei erhöht werden.

Unter den Diensthundeführern wird auch das uniformierte Auftreten als Kritikpunkt gesehen, da man damit die Möglichkeit der verdeckten Ermittlung zunichte mache. Als Beispiel wurden Ermittlungen bei einem Drogendealer angeführt, der dann den Diensthundeführer als Polizisten und den Diensthund als Polizeihund erkennen würde.

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/minister-jaeger-will-sozialvertraegliche-polizeihunde-aid-1.6377888

Wie sehen die Diensthundeführer (auch aus anderen Polizeien) die Kritikpunkte? Berechtigt oder nicht?