Was in keiner Pressemitteilung steht: Ein Einsatz der ganz besonderen Art

19. November 2016 at 20:31

Was in keiner Pressemitteilung steht: Ein Einsatz der ganz besonderen ArtMenschlichkeit, diese überaus menschliche Eigenschaft lässt so mancher vermissen, über den wir schon berichten mussten. Und doch gibt es sie. Sie taucht zumeist im Alltag auf, manchmal unverhofft, und findet zumeist den Weg nicht in die Presse.

Es sind die vielen Kleinigkeiten und Hilfestellungen, die – uneigennützig erbracht – für den Bedachten manchmal Großes bewirken können. Dann fließt auch schon mal die ein oder andere Träne… der Rührung, aber auch der Freude über so viel Menschlichkeit.

Eine Kollegin, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, berichtet uns von einem Einsatz, der sich genau so vor kurzem zugetragen hat:

Ich möchte gern von einem Einsatz meiner Kollegin und mir vor ein paar Tagen in Potsdam berichten. Es war ein Einsatz der ganz besonderen Art.

Immer wieder begegnen wir Polizisten im Dienst Menschen, deren Schicksal uns berührt. Meine Kollegin und ich wurden zu einer älteren Dame gerufen, die durch einen Bekannten um eine höhere Summe Bargeld betrogen wurde.

Dieser Bekannte hatte ihr zusätzlich Schmuck und Gegenstände von hohem individuellen Wert gestohlen. Er hatte sich zuvor trickreich in ihr Leben geschlichen, ihre Gutmütigkeit ausgenutzt und längere Zeit bei ihr gewohnt, ohne sie finanziell zu unterstützen.

Die Dame, um deren Gesundheit es nicht gut steht und die aufgrund körperlicher Gebrechen ihre Wohnung in der 5. Etage eines Mehrfamilienhauses ohne Fahrstuhl schon seit längerem nicht mehr verlassen kann, gab an, lieber daheim als in einem Hospiz sterben zu wollen.

Beim Betreten der Wohnung bemerkten wir sofort, dass diese zwar sauber und aufgeräumt war, jedoch war der Teppich der gesamten Wohnung offensichtlich schon seit längerem nicht mehr gesaugt worden.

Die Dame, die nun keine Ersparnisse mehr hat, schien sehr verzweifelt und ohne jegliche Hoffnung. Der täglich bei ihr vorbeikommende Pflegedienst bringe oft wenig Zeit mit, erzählte sie uns. Daher wurde die Wohnung auch schon lange nicht mehr gesaugt.

Nachdem wir den Sachverhalt in Erfahrung gebracht hatten und die Kollegin die Daten im Laptop erfasste, nutzte ich die Zeit (ich hätte gerade ohnehin nichts anderes tun können) und saugte einmal durch die 2-Raum-Wohnung. Schnell war der Boden von Krümeln und Schmutz befreit.

Durch eine einzige Geste konnten wir den Tag der Geschädigten ein wenig aufhellen. Mit Tränen in den Augen verabschiedete sie sich von uns.

Wir hingegen verließen die Wohnung mit dem Gefühl, der Dame gezeigt zu haben, dass es noch Menschlichkeit gibt…