“Da kommst du dir als Polizist schon verarscht vor”

26. Dezember 2016 at 16:58

Man wird im Rahmen von Ausbildung und/oder Studium auf so einiges vorbereitet, was im Dienst passieren könnte oder auch tatsächlich später passiert. Aber auf alles wird man nicht vorbereitet.

Sicher, man weiß in der Regel, dass der Dienst schwierig werden kann. Schichtdienst, Verletzungen, Bedrohungen, Beschimpfungen, das kann man sich vorher ausmalen, wenn man sich informiert. Stellenabbau, Überstunden, Unterbezahlung, veraltete Ausrüstung, fehlender Rückhalt der Politik, darauf wird man nicht vorbereitet.

Alexander Klimmey ist seit 27 Jahren Polizist in Berlin, ihm ist es so ergangen und nach einer Verletzung im Dienst, spricht er offen an, was aus seiner Sicht schief läuft. Der 48-jährige kräftige Mann erzählt, wie er einen Drogendealer in Berlin Kreuzberg stellte und dieser ihm ein Fahrrad in den Unterleib rammt.

Klimmey hat starke Schmerzen, er kann den Dealer trotzdem festnehmen. Danach begibt er sich in ärztliche Behandlung. “Hodenprellung, anderthalb Wochen Schmerzmittel und Eiswürfel zwischen die Beine halten. Unangenehme Sache”, erzählte er. Aber Verletzungen wie diese – und er hatte noch einige mehr – das ist nur das eine.

Der Fall landet vor Gericht, als einer der Fälle, die nicht gerade wegen Geringfügigkeit eingestellt werden. Der Dealer bekommt für 41 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Bewährungsstrafe und kann nach Hause gehen. “Der Typ steht jetzt hier wieder regelmäßig und vertickt Gras”, weiß Klimmey.

“Da kommst du dir als Polizist schon verarscht vor.”

Dies ist wohl einer der Gründe, warum die Freie Universität Berlin in einer Umfrage herausgefunden hat, dass jeder dritte Berliner Polizist psychische Probleme hat. Seien es Angstzustände, Depressionen oder Burn-out.

Aber das ist nicht alles. Ein lesenswerter Bericht, den die Welt unter dem Leitartikel “Helden 2016” veröffentlicht hat.

Danke Stefan für den Link!