Gerichtsurteil zu bei Messerangriff getötetem Polizisten in Herborn: Lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung

12. Dezember 2016 at 16:00

Gerichtsurteil zu bei Messerangriff getötetem Polizisten in Herborn: Lebenslange Haft mit anschließender SicherungsverwahrungFast ein Jahr ist es her, als es zu einem tödlich verlaufenden Messerangriff auf Polizisten im hessischen Herborn kam. Ein Fahrgast wollte sich im Zug nicht durch den Zugbegleiter kontrollieren lassen. Als die alarmierten Polizisten den Wagon betraten, stach der 27-jährige Gewalttäter ohne Vorwarnung auf die beiden ein.

Ein 47-jähriger Polizist wurde damals schwer verletzt, Polizeioberkommissar Christoph Rehm erlitt tödliche Verletzungen und starb am Heilig Abend 2015 noch am Bahnsteig. Er wurde nur 46 Jahre alt und hinterließ seine Frau und vier Kinder.

Seit Juni 2016 wurde der Fall vor dem Landgericht (LG) Limburg verhandelt, die Anklage lautete auf Mord und versuchten Mord. Der Prozessverlauf war eine Belastung für die Angehörigen und die Kollegen.

Der Gewalttäter sagte vor Gericht aus, dass er die Polizisten angeblich nicht als solche erkannt habe, sondern glaubte, von Rockern angegriffen zu werden.

Aus diesem Grunde kam es zu einem Ortstermin am Bahnhof von Herborn, wo sich die Gerichtsbeteiligten und Polizisten trafen, um zu ergründen, was genau der Gewalttäter gesehen haben kann. Dies war ein schwerer Moment für Angehörige und Kollegen des getöteten Beamten.

Zunächst fuhr der Zug falsch herum in den Bahnhof ein und die Lichtverhältnisse stimmten nicht, so dass er nach einstündiger Wartezeit der Ortstermin seinen Zweck erfüllen konnte, bei dem allerdings nicht erörtert, sondern nur Inaugenschein genommen wurde. Ein Polizist sagte nach dem Termin, dass dieser Termin vieles wieder aufgewühlt habe: “Man sieht die Leiche dort liegen.”

Eine weitere Belastung für die Beteiligten waren Verzögerungen im Prozessverlauf. Noch nach den Plädoyers stellte die Verteidigung zahlreiche Beweisanträge, so dass die Anklagevertretung schon von Prozessverschleppung sprach.

Das Urteil:

Das LG Limburg sah es als erwiesen an, dass der 27-jährige Gewalttäter mit Mordabsicht auf die beiden Polizisten einstach. Der vorsitzende Richter ließ es an Klarheit in seiner Urteilsbegründung nicht missen. Er sprach von einem “brutalen und erbarmungslosem Vorgehen des kampferprobten Angeklagten”, die Tat sei als “zutiefst verachtenswert” zu verurteilen.

Der Täter wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Letzteres bedeutet, dass eine Entlassung nach 15 Jahren zunächst ausgeschlossen ist.

Ob die Verteidigung in Revision oder Berufung gehen möchte, da sie auf Freispruch plädiert hatte, ist noch nicht bekannt.

Dieses Urteil wird den getöteten Kollegen, Ehemann und vierfachen Familienvater nicht wieder zurück bringen, dennoch dürfte es den Angehörigen und Kollegen als angemessen erscheinen. Hoffen wir, dass es nicht zu einer Neuauflage kommt, damit die Hinterbliebenen mit dem Thema abschließen können!

Wir wünschen den Angehörigen und Kollegen von Christoph Rehm für den anstehenden ersten Jahrestag viel Kraft und – falls notwendig – einen Beistand, um diese schwierige Zeit zu überstehen.

Never forget #brotherinblue! ⚫🔵⚫