Prozess zum Polizistenmord in Herborn wird neu aufgerollt

29. Dezember 2016 at 18:24

Prozess zum Polizistenmord in Herborn wird neu aufgerolltAnwalt stellt Revisionsantrag beim Bundesgerichtshof

Am 24.12.2015 wurden zwei Polizisten bei einer Personenkontrolle von einem Mann mit einem Messer angegriffen. Einer der Beamten erlitt schwere, der andere tödliche Verletzungen.

Fast ein Jahr später und damit kurz vor dem ersten Jahrestag wurde vor dem Landgericht (LG) Limburg das Urteil gesprochen: lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Gericht sah den Tatvorwurf des Mordes als erwiesen an und sparte nicht mit klaren Worten. Der vorsitzende Richter sprach vom “brutalen und erbarmungslosem Vorgehen des kampferprobten Angeklagten” und nannte die Tat “zutiefst verachtenswert”.

Gegen dieses Urteil wehrt sich nun der Täter. Sein Anwalt stellte beim Bundesgerichtshof (BGH) Revisionsantrag, womit eine Überprüfung des Urteils des LG Limburg stattfindet, sollte der Antrag angenommen werden. Der Anwalt beruft sich auf die Angaben seines Mandanten, wonach er angeblich der Meinung gewesen sei von Rockern angegriffen zu werden. Die Polizisten habe er zunächst nicht erkannt.

Dementsprechend stellt der Anwalt auf Notwehr ab und möchte mit der Revision wohl genau dies erreichen. Wir möchten an dieser Stelle dieses Vorgehen nicht bewerten, da wir die Einzelheiten nicht kennen.

Was jedoch klar sein dürfte, ist die Tatsache, dass die Neuauflage des Prozesses für die Angehörigen des getöteten Polizisten, sowie dessen Kollegen, erneut nervenaufreibend sein dürfte. Die Länge des Prozessverlaufs vor dem LG Limburg und der Ortstermin am Tatort am Bahnhof in Herborn riss diese Wunden immer wieder auf.

Würde der BGH tatsächlich Mängel in der Urteilsfindung des LG feststellen, würde der Fall an dieses zurück verwiesen und hier würde die Sache nochmals neu verhandelt. Eine Nervenprobe für die Beteiligten mit offenem Ausgang. Ob es das wirklich wert ist?