Suizid: Plötzlich ist alles anders… (von Frank)

10. Dezember 2016 at 21:33

Suizid: Plötzlich ist alles anders...Jeder macht so seine Erfahrungen im Leben und wir Polizisten bekommen durch den dienstlichen Bezug viele (fremde) Schicksale mit. Besonders schwierig sind solche Erfahrungen, wenn sie mit dem Suizid einer anderen Person zu tun haben. Nach der Selbsttötung von Kollegin Maxime aus Hamburg ist dieses Thema auch bei den Kolleginnen und Kollegen in den Fokus gerückt.

Kollege Frank hat sich dieses schwierigen Themas angenommen, aber er weiß aus eigener Erfahrung wovon er spricht. Als sich seine Schwester das Leben genommen hatte musste er sich zwangsläufig damit auseinander setzen und bekam hierbei Unterstützung von Polizisten. Hierbei wächst auch der Wunsch in ihm heran, selbst Polizist zu werden.

Das hat er auch geschafft und muss sich auch in dieser Funktion mit diesem Thema beschäftigen. Suizid, beleuchtet von beiden Seiten, als Angehöriger und als Polizist:

Da das Thema Suizid leider nach dem Freitod unserer Kollegin Maxime sehr viele beschäftigt, würde ich gerne ein paar Worte als betroffener Angehöriger und Polizist dazu schreiben.

Meine Schwester hat sich vor gut 10 Jahren das Leben genommen. Danach durchlebt man 3 Phasen… Naja zumindest war’s bei mir so.

Die erste Phase sind die Selbstvorwürfe…
– Warum habe ich es nicht gesehen wie es ihr ging?
– Habe ich mich genug um sie gekümmert?

Fragen über Fragen – und keine Antworten darauf.

Danach kommt die Phase der Wut…
– Warum hat sie sich uns, ihrer Familie, nicht anvertraut?
– Warum hat sie allen vor den Kopf gestoßen?

Ich war teilweise so wütend auf sie, dass ich keine Bilder von ihr anschauen konnte ohne die Wünsche zu hegen…
– sie anzuschreien
– ihr echt eine Ohrfeige dafür zu geben…

Danach kommt die dritte Phase..
Unglaubliche Traurigkeit.

Ich weiß noch wie uns zwei Polizisten die Nachricht ihres Todes überbrachten. Diese zwei sind bis heute meine persönlichen Helden. Sie saßen stundenlang bei uns, obwohl sie längst Feierabend hatten. Sie waren einfach da, wenn wir reden wollten hörten sie zu, wenn wir geschwiegen haben, saßen sie schweigend neben uns.

Damals entstand bei mir der Wunsch Polizist zu werden. Diese zwei Männer haben uns mehr gegeben als sie mussten und dafür bin ich auch heute noch dankbar.

Den Wunsch Polizist zu werden habe ich auch umgesetzt und es ist für mich meine Berufung und nicht nur ein Job. Auch wenn dieser Beruf von uns sehr viel abverlangt, mache ich ihn sehr gerne.

Meine zwei schwersten Einsätze waren ebenfalls Suizide, weil es gute Freunde von mir waren. Wir Polizisten sind nunmal keine Maschinen, die alles einfach so von sich wegschieben können.

Auch wir sind Menschen mit Herz und Gefühlen.

Text und Bild stammen von Frank.

Wir wünschen ihm und seiner Familie, dass dieser Schmerz irgendwann erträglich wird und dass er nach seinem Dienst immer gesund nach Hause kommt, physisch wie psychisch!