Zum Nachdenken: Erwartungshaltung und Wirklichkeit

31. Dezember 2016 at 21:47

Zum Nachdenken: Erwartungshaltung und WirklichkeitDas nunmehr fast vergangene Jahr 2016 war von vielen Themen geprägt, aber eines war doch bestimmend im Hinblick auf Berichterstattung und politischer Diskussion: Migranten. Anstatt eines Jahresrückblicks, die es momentan zuhauf gibt, möchten wir heute das Wort ergreifen, um für 2017 vielleicht den ein oder anderen zu erreichen.

Vor wenigen Tagen ereignete sich in einem kleinen Ort in der Eifel ein Polizeieinsatz. Wie sich später herausstellte, war alle Aufregung umsonst, dennoch war sie vor dem Hintergrund der vielen Geschehnisse in diesem Jahr – nicht nur in Deutschland – berechtigt. Daher möchten wir diesen Text nicht als Kritik an dem Einsatz verstanden wissen, er soll vielmehr zum Nachdenken anregen!

Was war geschehen?

Mohammed ist ein iranischer Flüchtling. Er kam nach Deutschland und beantragte Asyl. Da Mohammed handwerklich begabt ist und Holzschnitzereien selbst anfertigen kann, wollte er sich bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich für die Aufnahme in Deutschland bedanken.

Er ging auf die Post im Eifelort Naunheim und gab dort sein Paket auf, adressiert an die Bundeskanzlerin. Die Postangestellten wurden allerdings misstrauisch. Der in Bananenkisten verpackte unbekannte Inhalt, der zudem 10 kg schwer und sperrig war und als Absender “Mohammed” trug, sollte durch die Polizei überprüft werden.

Die Polizei rückte auch mit starken Kräften an, sperrte die Filiale ab und forderte einen Sprengstoffhund an. Doch der konnte keinen Sprengstoff finden. Die Polizisten suchten den Absender dieses ungewöhnlichen Pakets auf, der dann auch im Beisein der Beamten das Paket öffnete.

Zum Vorschein kam eine kunstvoll gearbeitete Holzplatte, die der Absender selbst erstellt hatte. Sie trägt unter anderem das Logo des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), seinen Namen und eine Zitat, welches wie folgt beginnt:

“Die Menschenkinder sind ja alle Brüder”…

Nach rund zwei Stunden konnte die Polizei damit den Einsatz beenden. Das Paket von Mohammed wird zwar nicht mehr rechtzeitig als Weihnachtsgeschenk in Berlin ankommen, aber es wird auf die Reise gehen, wenn auch vermutlich nicht mit der Post.

Ein Geschenk und eine Botschaft

An diesem Beispiel sehen wir, wie vorsichtig wir geworden sind, wenn es um Migranten geht. Manch einer hat auch eine stark ablehnende Haltung diesen Menschen gegenüber. Mancher vielleicht sogar berechtigt, andere wiederum aus eher fragwürdigen Gründen.

Wir sollten zwar die Augen und Ohren offen halten, wir leben in Zeiten, in denen der Terror mehrfach in Europa zugeschlagen hat. Die Polizei ist auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen und gemeinsam können Bürger und Polizei viel bewegen.

Auch wenn unter den Tätern in 2016 Migranten oder Ausländer beteiligt waren, tun wir denen Unrecht, die in Deutschland oder Europa angekommen sind und sich integrieren möchten oder sich bereits integriert haben, wenn wir alle Migranten, alle Ausländer, über einen Kamm scheren.

Ein Mensch ist nicht böse, weil er böse geboren wurde. Ein Mensch ist kein Krimineller, weil er als Krimineller auf die Welt kam. Er hat entweder selbst diesen Weg gewählt oder wurde durch das Umfeld zu dem, was er ist. Das gilt für alle Kriminelle, Amokläufer und Attentäter, egal welcher Nationalität, Religion oder politischen Weltanschauung.

Lasst uns in 2017 wachsam sein, aber lasst uns unsere Lebensart, unsere Kultur und unsere Menschlichkeit nicht verlieren, weil einige Wenige voller Hass sind!

Den Bericht zum Einsatz und ein Bild der kunstvollen Holzplatte von Mohammed findet ihr hier.