Alkohol auf der Wache gefunden: Ein anonymer Brief und seine Folgen

17. Februar 2017 at 20:02

Alkohol auf der Wache gefunden: Ein anonymer Brief und seine FolgenDer Polizeiführung in Bochum wurde vor etwa zwei Wochen ein anonymer Brief zugeleitet. Darin ist die Sprache von Alkoholkonsum, dass nach Dienstschluss Polizisten Alkohol konsumieren würden und sie anschließend die Heimfahrt antreten würden. Der Autor gibt sich als Polizeibeamter aus, was freilich bei einer anonymen Meldung nicht nachprüfbar ist.

Auf diese Meldung hat die Polizeiführung umgehend reagiert. Es wurde eine interne Ermittlung eingeleitet, die Staatsanwaltschaft Bochum informiert und eine Durchsuchung, bzw. “Kontrolle”/”Stichprobe”, in allen acht Dienststellen in Herne, Witten und Bochum durchgeführt. Und tatsächlich, es wurden mehrere Flaschen Alkohol gefunden.

Gefunden wurden von einer abgelaufenen Flasche Bier, über mehrere Flaschen Bier, bis hin zu zwei Flaschen harter Alkoholika. Die Kontrollen fanden demnach in den Gemeinschaftsräumen und Kühlschränken statt, Spinde seien nicht geöffnet worden. Kriminalpolizei und Polizeiverwaltung sind bislang nicht Gegenstand der internen Ermittlung, was zu Unmut in den Reihen der Betroffenen führte.

Bochums Polizeipräsidenten Kerstin Wittmeier zeigte sich enttäuscht über diesen Fund, denn: “In Diensträumen ist das Trinken von Alkohol streng untersagt.” Dabei verteufelt sie die Tatsache, dass die Kollegen nach Dienstschluss etwas gemeinsam trinken, überhaupt nicht, sondern begrüßt dies sogar. “Ein Polizist ist kein Einzelkämpfer. Das Miteinander und der Teamgeist sind wichtig”, sagte sie gegenüber der WAZ.

Wittmeier erklärte ebenso, dass sie den Hinweis sehr ernst genommen habe, damit in der Bevölkerung kein falscher Eindruck entstehe. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie die Öffentlichkeit von einer internen Ermittlungen erfahren kann und warum dieser Vorfall in der Presse landete? Das “falsche Licht”, in das die Polizei geraten könnte, ist alleine durch die Berichterstattung schon angeknipst. Was bei so manchem hängen bleibt, ist die Tatsache, dass auf den Wachen Alkohol gefunden wurde.

Alkohol WÄHREND der Dienstzeit geht natürlich überhaupt nicht! Aber dieser Vorwurf wurde offenbar auch nicht erhoben. Es ging in dem anonymen Schreiben wohl um den Konsum NACH Dienstschluss AUF der Wache (oder IN den Diensträumen).

Es ist eine Sache, wenn ein absolutes Alkoholverbot in den Diensträumen verhängt wurde. Dies kann die Polizeiführung einseitig beschließen und daran sollte man sich auch halten. Es ist aber eine andere Sache, einerseits den Teamgeist zu beschwören, die Ausübung dieses Teamgeistes – und sei es in Form einer Flasche Bier nach Feierabend – andererseits aus den Diensträumen zu verbannen.

So sieht es offenbar auch Gerhard Kröger, Polizeidirektor a.D., der sich mit einem Leserbrief an die WAZ wandte. Als Polizeiführer in ehemals hohem Amte dürfte er aus Erfahrung sprechen, umso bemerkenswerter ist sein Wortmeldung:

“Ich finde es nicht verwerflich, wenn sich Polizeibeamte nach einer oft turbulenten Schicht noch auf EINE Flasche Bier zusammensetzen. Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe: Wenn es da vereinzelt schwarze Schafe gibt, und die gibt es sicherlich auch bei der Polizei – wieso stellt dann ein Polizeibeamter mit einem anonymen Schreiben alle seine Kollegen unter Generalverdacht, statt mit seinem nächsten Vorgesetzten zu sprechen?

Früher landeten anonyme Schreiben, wenn darin nicht gerade ein Terroranschlag angekündigt wurde, automatisch im Papierkorb. Heute ist alles anders.”