Leserbrief der Ehefrau eines Polizisten: Unterbesetzung

8. Februar 2017 at 20:26

Leserbrief der Ehefrau eines Polizisten: UnterbesetzungWie kann ich da guten Gewissens meinen Mann zur Arbeit gehen lassen?

Bevor wir die Ehefrau eines Polizisten zu Wort kommen lassen, möchten wir voraus schicken, dass uns die genau “Stärke” bekannt ist. Allerdings dürfen wir sie nicht öffentlich nennen, weshalb die Situation so gut wie möglich beschrieben wird, ohne Zahlen zu nennen. Besorgniserregend wäre noch vorsichtig ausgedrückt.

Und was hierbei noch bedacht werden sollte: Dies ist kein Umstand, der nur auf Bayern zutrifft. Aber nun überlassen wir der Ehefrau das Wort:

Ich bin als Ehefrau eines Polizisten ja schon einiges gewöhnt. Angefangen bei den unzähligen Überstunden bis hin zu den gänzlich fehlenden Tagen mit der Familie oder den Dienstplänen, die ständig wieder über den Haufen geworfen werden, weil sie sich auf Grund der angespannten Personalsituation einfach kaum noch realisieren lassen.

Man ist ständig allein erziehend, man hat ständig Angst um den Ehemann, weil dieser sich bereitwillig in den Arbeitsalltag stürzt um die Welt ein wenig besser zu machen.

Aber hat das alles nicht auch Grenzen? Wie sieht denn die optimale Besetzung für eine Dienststelle aus? Sicher sollte es so sein, dass Krankheiten, Urlaub und Freizeitausgleich einiger Kollegen realisierbar sind, dass sich das Überstundenkonto im Rahmen befindet und vor allem aber so, dass sich die Kollegen sicher fühlen können.

In letzter Zeit kommt mein Mann häufig nach Hause und berichtet mir, dass sie gänzlich unterbesetzt sind, dass er mit einem Anwärter und einer Schülerpraktikantin (9. Klasse) auf Streife fahren muss und das ist doch ganz sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Thema Eigensicherung wird groß geschrieben bei der Polizei, man hört es immer wieder, aber es gibt tatsächlich Dienststellen, die Glück haben, dass nichts passiert, dass es eben relativ friedlich in deren Revier zugeht, denn Großeinsätze und/oder Terrorbekämpfung würden diese Dienststellen gänzlich überfordern.

Was passiert denn, wenn diese Streife besetzt mit einer Schülerpraktikantin und einem Anwärter einen Einsatz übernehmen muss? Wer sichert denn in dem Einsatz dann meinen Mann ab? Wer sichert die Schülerpraktikantin? Dürfte diese Streife überhaupt einen Einsatz übernehmen?

Das alles sind Fragen um die sich die Dienstelle meines Mannes nicht kümmert, es wird gänzlich über den Sicherheitsaspekt hinweg entschieden.

Viele Beamte auf der Dienststelle meines Mannes haben bereits ein Burnout-Syndrom entwickelt, sind dann demnach auch nicht mehr arbeitsfähig (oder länger krankgeschrieben), dies wiederum mindert die Anzahl derer mit denen man einen vernünftigen Dienstplan erstellen kann beachtlich. Dienstpläne sind dafür da sie täglich neu zu schreiben.

Deshalb kommt es auch immer wieder zu der o.g. Konstellation mit dem Anwärter und das kann ich beim Besten Willen nicht nachvollziehen, wer übernimmt denn die Verantwortung wenn da etwas schiefgeht? Wenn es eben mal nicht so friedlich zugeht?

Diese Gedanken, Beschwerden, Klagen muss ich mir täglich von meinem Mann anhören. Er legt sehr viel Wert darauf, wie sicher jeder Polizist, dass er immer wieder sicher zu Hause kommt und es beunruhigt, beängstigt mich, dass er sich fast fürchtet bei der Dienststelle weiter zu arbeiten, weil die Besetzung einfach so katastrophal ist und das Thema Eigensicherung mit Füßen getreten wird.

Wie kann ich ihn dann guten Gewissens in die Arbeit gehen lassen?

Gibt es niemanden, der sich mit den Personalstärken auf einer Dienststelle befasst? Die Zeiten haben sich geändert, es ist rauer geworden. Internetkriminalität und Straftaten, die vor Jahren keiner kannte, nehmen deutlich zu. Polizeibeamte werden immer weniger respektiert, immer mehr beschimpft.

Sollte man nicht die Personalstärke den wachsenden Bedürfnissen anpassen?

Die Zeit in der Personal abgebaut wird sollte endlich vorbei sein! Man braucht Polizisten, man braucht jemanden, der die Ordnung in der Gesellschaft überwacht und der den Menschen ein sicheres Gefühl gibt, aber mit der Art der Politik, wie sie derzeit betrieben wird, ist das Raubbau am Polizist=Mensch und es geht auf Kosten aller.

Die Autorin ist uns namentlich bekannt, möchte aber anonym bleiben.