Wenn Helfer Hilfe brauchen: Psychologen und Seelsorger werden immer wichtiger für Polizisten

12. Februar 2017 at 16:36

Psychologen und Seelsorger werden immer wichtiger für PolizistenAls Polizist wird man oft Zeuge, aber auch Opfer von Gewalt. Darum kümmert sich dann die Polizeiseelsorge. Monika Winkler-Seeliger ist eine von nur vier katholischen Polizeiseelsorgerinnen in Deutschland. Sie kümmert sich mit einer weiteren Kollegin um knapp 2.500 Beamte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Ihr Büro befindet sich im Haus der Kriminalpolizei Rosenheim.

Wenn es im Team Probleme gibt wird sie von den Polizeichefs zu Rate gezogen. Des weiteren organisiert sie Andachten und Besinnungstage.

“Es ist aber oft auch so, dass Polizeibeamte ohne Initiative des Chefs auf mich zukommen und sagen, ich möchte mit ihnen reden, ich bin in einer privaten Krise, ich habe Probleme in der Dienstgruppe, ich weiß nicht mehr weiter”, so die Seelsorgerin.

Chronische Überbelastung oder auch die private Situation, wenn eine Trennung oder Ärger mit den Kindern ansteht, sie kümmert sich um die großen und kleinen Probleme der Beamten. Einsätze die weit über die Belastungsgrenze hinausgehen, wie das Zugunglück von Bad Aibling, da war die Seelsorgerin mit vor Ort um den Einsatzkräften beiseite zu stehen.

Obwohl Polizisten hart im nehmen sind, zehren solche Einsätze an vielen, weiß die Theologin nach 7 Jahren in der Polizeiseelsorge. Keine frommen Sprüche helfen hier, sondern zuhören und Lösungswege aufzeigen, so versteht die 57-Jährige die Seelsorge.

Robert Maurer, 46 Jahre, Hauptkommissar in Rosenheim, schätzt das Angebot der Seelsorge: “Ich finde das außerordentlich gut, und zwar hat das eine innere Wirkung und nach außen, die sind für uns da, die schulen uns auch, und sie helfen auch den Kollegen. Vor vielen Jahren war hier ein schwerer Unfall mit mehreren Toten, und die Kollegin hatte wirklich Probleme, das zu verarbeiten, danach hat man richtig gemerkt, es ist ihr besser gegangen. Auch wir Polizisten, wir sind alles nur Menschen.”

Auch der Tod eines Menschen lässt Polizisten nicht kalt. Todesnachrichten zu überbringen ist eine der schwersten Aufgaben überhaupt.

“Ich hatte mal die Situation, da musste ich eine Todesnachricht überbringen, es war dunkel, ich läute an dieser Wohnung, dann kommt mir ein kleines Kind entgegen und schreit: ‘der Papa, der Papa ist da’ und das war dann leider nicht so, ich musste die Nachricht überbringen”, berichtet Kollege Maurer aus Rosenheim.

Auch Polizisten stellen sich existenzielle Sinnfragen wie: “Warum Leid – warum Tod?” Weihbischof Wolfgang Bischof von der Erzdiözese München-Freising hält die Polizeiseelsorge für wichtiger denn je. Er sagt: “Die Polizeiseelsorge ist ein Ort wo diese Fragen besprochen werden können.”

Die Belastungen haben zugenommen. In 2015 wurden alleine in Bayern 15.000 Polizisten beleidigt, bespuckt, angegriffen oder bedroht. Für 2016 liegen die Zahlen noch nicht vor. Aber sie werden voraussichtlich höher sein.

Den Polizisten etwas von dieser Last abnehmen, das will Monika Winkler-Seeliger auch weiterhin. Sie sagt: “Die Polizeiseelsorge ist mein Traumjob bei dem die Kirche einen in ihren Augen wichtigen Dienst leistet.”

Mancher mag nun sagen: “Berufsrisiko” oder “Ihr habt euch doch diesen Job ausgesucht”.

Ja das haben wir, aber auch in den Uniformen stecken Menschen. Bilder müssen verarbeitet werden, sonst geht man kaputt.

An dieser Stelle möchten wir uns bei all den Helfern bedanken, die uns Polizisten beiseite stehen, wenn wir einmal nicht mehr weiter wissen!