Autofahrer ohne Führerschein rammt Polizisten und wird zu Bewährungsstrafe verurteilt

14. März 2017 at 18:50

Autofahrer ohne Führerschein rammt Polizisten und wird zu Bewährungsstrafe verurteiltEigentlich sollte es nur eine normale Verkehrskontrolle werden, doch ein 55-Jähriger aus Bobingen (Bayern) gab unvermittelt Gas, rammte einen Polizisten und flüchtete mit hoher Geschwindigkeit. Dafür wurde der Beschuldigte nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Offensichtlich wollte der Mann sich nicht an das verhängte Hausverbot, dass für das Anwesen seiner Mutter galt, halten. Immer wieder tauchte der 55-Jährige auf dem Grundstück auf. Deshalb wartete ein Beamter in Zivil auf den polizeilich bekannten Mann, im Oktober letzten Jahres direkt an der Einfahrt, auf ihn.

Gegen 19:30 Uhr sei der Angeklagte dann tatsächlich mit dem Auto vorgefahren, sagte der Polizist aus. Mit dem Dienstausweis in der Hand sei er dann zu dem Mann gelaufen und habe die Fahrertür geöffnet. “Er hatte einen starren Blick und gab dann Gas”, berichtet der Polizist. Er wurde zwischen Vorder- und Hintertür getroffen und stürzte zu Boden.

Der Autofahrer hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Führerschein.

Ungeachtet der Schürfwunden an Händen und Beinen nahm der Beamte die Verfolgung auf. Um keine Unbeteiligten zu gefährden und aufgrund der hohen Geschwindigkeit (etwa 100 km/h), mit der der Flüchtige fuhr, brach der Polizist die Verfolgung nach kurzer Zeit ab. Später konnte der Mann auf dem Parkplatz eines Supermarktes festgenommen werden. Die Blutprobe ergab einen Wert von 1,6 Promille.

Vor Gericht erzählte der Mann eine fantastischen Geschichte.

Der 55 jährige bestritt den Polizisten angefahren zu haben. Er sagte, dass die Aussage des Polizisten unglaubwürdig sei. “Das widerspricht doch den gesunden Menschenverstand”, war der Angeklagte der Meinung. Der 55-Jährige behauptete, dass der Beamte etwa 30 Meter zum Auto zurücklegen, das Blaulicht anbringen und dann auch noch wenden musste.

Der Beamte widersprach. Er habe nur über die Straße laufen und das Blaulicht per Magnet befestigen müssen, was nur eine Sache von Sekunden gewesen sei.

Die Staatsanwältin Beate Christ forderte eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten wegen gefährlichen Körperverletzung, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Zudem forderte die Staatsanwältin den Führerschein für weiter 18 Monate einzubehalten und dass 1.200 € an einen gemeinnützigen Verein gezahlt werden sollen.

Die Verteidigung des 55-Jährigen forderte Freispruch, da er den Polizisten weder angefahren hätte, noch dass überhaupt gefahren sei.

Das Urteil:

Richter Ralf Hirmer vom Augsburger Amtsgericht verurteilte den Angeklagten, da keine Anhaltspunkte für eine Lügengeschichte des Polizisten erkennbar seien. Hirmer folgte weitestgehend dem Antrag der Staatsanwältin, lediglich die Freiheitsstrafe fiel mit zehn Monaten um einen Monat geringer als gefordert aus. Da der letzte Gefängnisaufenthalt des 55-Jährigen schon lange zurücklag, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Wir sind froh, dass dem Kollegen bei diesem Manöver nicht mehr passiert ist und es bei Schürfwunden blieb.