Für Attacke auf Polizisten muss Schläger vier Jahre in Haft

5. März 2017 at 9:44

Für Attacke auf Polizisten muss Schläger 4 Jahre in HaftPolizist erlitt bleibende Schäden

Der Fall liegt mittlerweile anderthalb Jahre zurück. Damals, im August 2015, kam es im niedersächsischen Meckelfeld auf dem Dorrfest zu einer Schlägerei, zu der die Polizei gerufen wurde. Ein damals 31-jähriger Polizist war einer der Ersten am Einsatzort und wurde von einem Mann unvermittelt geschlagen, so dass der Polizist zu Boden ging und mit dem Kopf auf dem Asphalt aufschlug.

Der Beamte wurde mit schwersten Schädel-Hirn-Verletzungen in eine Hamburger Klinik verbracht, wo er notoperiert und in ein künstliches Koma versetzt wurde. Es bestand akute Lebensgefahr.

Zwei Männer, 31 und 35 Jahre alt, waren im Rahmen der Ermittlungen vor Ort unter Tatverdacht geraten, zumal einer von ihnen, der spätere Angeklagte, die Rettungsmaßnahmen am Polizisten noch hämisch kommentierte. Ermittelt wurde wegen versuchten Totschlags.

Vor dem Amtsgericht Winsen fand nun die Hauptverhandlung statt. Der Angeklagte Seevetaler hatte die Tat bestritten bzw. könne er sich nicht daran erinnern und sein Anwalt forderte Freispruch. Doch die Richter sahen diese Einlassung als unglaubwürdig an, da Zeugenaussagen anderes zu berichten hatten.

Der Polizist hat auch heute noch mit den gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. Er musste in der Reha wieder Laufen und Sprechen lernen und man sieht ihm die Spätfolgen an. Er kämpft heute noch mit epileptischen Anfällen und kann nicht mehr richtig hören. Als Polizist, auch im Innendienst, wird er wohl nie wieder arbeiten können.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten 3 Jahre und 3 Monate Haft.

Das Urteil:

Das AG Winsen verurteilte den Schläger zu vier Jahren Haft und ging damit über die Forderung der Anklagevertretung hinaus. Zwar ging das Gericht nicht mehr von einem versuchten Totschlag aus, sondern war von einer schweren Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte überzeugt, da der entscheidende Schlag, der den Polizisten niederstreckte, von der Seite erfolgte.

Dennoch ist diese Freiheitsstrafe für ein Körperverletzungsdelikt recht ordentlich. Vermutlich dürften hier die schweren und dauerhaften Gesundheitsfolgen beim Polizeibeamten ausschlaggebend gewesen sein. Das Gericht ging bei Urteilsverkündung von Fluchtgefahr aus und ließ den Verurteilten noch im Gerichtssaal abführen.

Die Verteidigung ist mit dem Urteilsspruch nicht zufrieden und überlegt in Berufung zu gehen.

Wer sehen möchte, wie der Verurteilte den Polizisten zugerichtet hat, sollte sich das Video im folgenden Bericht des NDR anschauen.

Wirklich krass anzusehen, was der Täter mit dem Kollegen angestellt hat. Er ist damit fürs Leben gezeichnet und kann seiner Berufung wohl nie wieder nachgehen.

Wir wünschen dem Kollegen auf jeden Fall alles Gute und hoffen, dass er wenigstens halbwegs wieder ein normales Leben führen und vielleicht auch einem (anderen) Beruf nachgehen kann, damit er eine Aufgabe hat. Unsere besten Wünsche hierzu!