Marode Schießstände: Berliner Polizeiführung wusste seit 2011 Bescheid und unternahm nichts

2. März 2017 at 20:09

Wir berichteten bereits mehrfach über die maroden Berliner Schießstände der Polizei. Auch beim rbb waren sie des Öfteren ein Thema, doch nun kamen neue und erschreckende Informationen ans Licht der Öffentlichkeit.

Die damalige Berliner Polizeipräsidentin Margarete Koppers wusste laut einem Protokoll, das dem rbb vorliegt, über die gesundheitlichen Risiken auf Berliner Schießständen Bescheid. Sie hat offenbar über Jahre hinweg die Gefährdung der Gesundheit ihrer Beamten in Kauf genommen. Dies belegt ein internes Protokoll von einem “Jour Fix” mit der damaligen Präsidentin und weiteren Vertretern der Polizei, welches dem Sender vorliegt.

Zu diesem Zeitpunkt war Margarete Koppers amtierende Polizeipräsidentin. Grundlage für die Kritik war ein Gutachten, das sich vor allem auf die Belüftungstechnik und auf die “kontaminierte Atemluft” bezieht. Dies war unter anderem Thema des “Jour Fix” am 19.12.2011.

Offenbar wurde über Jahre die Sanierung mit der Begründung wissentlich außer Acht gelassen: “Bestandschutz der Anlagen”.

Vor allem betrifft das gesundheitliche Risiko Schießtrainer und SEK-Beamte, die regelmäßig und oft auf den Anlagen ihren Dienst versahen. Einige sind an Krebs erkrankt, fünf Todesfälle sind bereits bekannt.

Für Atem- und Lungenbeschwerden machen die Beamten die unzureichende Be- und Entlüftung der Anlagen verantwortlich. Auch Ärzte sehen einen Zusammenhang, da die Polizisten massivem Pulverdampf und giftigen Mineralien ausgesetzt waren. Die ersten Klagen von Seiten der Beamten wurden eingereicht.

Frau Koppers wollte sich bisher zu den Vorwürfen nicht äußern. Denn bislang wurde gegen Unbekannt ermittelt. Nach Bekanntwerden des oben genannten Protokolls könnte sie nun selbst Ziel der Ermittlungen werden. Dies dürfte für sie nun höchst ungelegen kommen, da sie als mögliche neue Generalstaatsanwältin in Berlin im Gespräch ist.

Es wurde womöglich bewusst in Kauf genommen, dass Kollegen im schlimmsten Fall an Krebs erkranken und daran sterben können. Dies ersparte bislang dem Polizeihaushalt 10 Millionen Euro für die Sanierung der Schießstände. Dies war scheinbar wichtiger als Leib und Leben der eigenen Mitarbeiter.

Beim rbb gibt es auch ein interessante Reportage zu dem Thema.