Öffentliche Trauerkultur für im Dienst getötete Polizisten?

21. März 2017 at 22:08

Öffentliche Trauerkultur für im Dienst getötete Polizisten?In Deutschland ist es leider immer noch nicht Gang und Gäbe, unseren im Dienst verstorbenen Kollegen ohne offizielle Erlaubnis öffentlich zu gedenken. Warum ist das so? Warum darf es nicht selbstverständlich sein, dass wir diese ehren und ihnen auf ihrer letzten Dienstreise in Gedanken beistehen?

Es geht uns dabei weniger darum, dass die Verantwortlichen dabei nicht mitreden dürften. Wenn wir Polizisten schon, wie damals bei Daniel Ernst, mit einem Streifenwagen am Straßenrand stehen und das Blaulicht einschalten, dann tun wir dies mit Dienstgerät. Verständlich, wenn die Führung hierzu ihr Einverständnis geben möchte.

Diese Kollegen, Brüder und Schwestern, starben im Einsatz für die Bürger. Sie starben, weil sie die Welt ein Stück besser machen wollten, durch ihren Dienst und ihren Einsatz. Hier sollte es doch selbstverständlich sein, dass Polizisten öffentlich trauern und gedenken dürfen, wenn ihnen danach zumute ist. Und hier sollte der Dienstherr nicht erst darum gebeten werden, dies auch tun zu dürfen. Die Erlaubnis sollte entweder generell gelten oder zeitnah und zügig das Einverständnis gegeben werden, ohne darum zu bitten.

Sind wir es nicht wert? Ja, wir sind Menschen wie jeder andere, doch wir ziehen täglich die Uniform an um zu helfen und zu beschützen – und das oft unter widrigen Umständen und in gefährlichem Umfeld. Sicher, ein Dachdecker kann vom Dach stürzen und ebenfalls verletzt oder getötet werden. Doch meist liegt die Ursache an einem solchen Unfall oft in vernachlässigten Sicherheitsvorkehrungen oder falschen Annahmen.

Wir Polizisten werden – und das hat der schreckliche Vorfall in Brandenburg uns vor Augen geführt – absichtlich und kaltblütig angegriffen und eine Verletzung, oder gar der Tod, mindestens billigend in Kauf genommen, manchmal sogar beabsichtigt. Und das nur, weil wir Polizisten sind, die eine Aufgabe zu erledigen haben, im Auftrag der Öffentlichkeit und im Namen des Staates.

Wir sind keine Helden, wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, die tagtäglich für alle da sind.

Wann bekommen diese verstorbenen Kollegen das was ihnen zusteht? In vielen Fällen sind es nur Randnotizen in den Medien, wenn ein Kollege mit seinem Leben bezahlt. Das gilt nicht nur für uns Polizisten, sondern in ähnlichem Maße auch für Feuerwehr- und Rettungskräfte und Soldaten…

Am Samstag werden wir im Team teils im Dienst sein, teils vermutlich nicht. Ein Kollege, der nicht im Dienst ist, wird aber zu seiner Dienststelle fahren und gemeinsam mit seinen Kollegen der getöteten Polizisten gedenken. Nicht nur den Kollegen aus Brandenburg, die ihr Leben lassen mussten, weil ein Bürger ausgetickt ist. Nein, allen bisher verstorbenen Kollegen wird er gedenken. Diese Absicht hat er bereits klar formuliert.

Die im Dienst getöteten Kollegen waren Menschen, die ihrer Arbeit nachgingen und dafür mit dem Leben bezahlt haben. Ihnen sollte die Ehre des öffentlichen Gedenkens zugestanden werden.

In vielen Ländern ist dies die Regel und dafür braucht man nicht in die USA zu blicken, um gezeigt zu bekommen, wie ein solches öffentliches und gemeinsames Gedenken aussehen kann. Auch in den Niederlanden wird dies praktiziert.

Warum nicht auch in Deutschland?

Wie ist Eure Meinung dazu, als Polizisten und als Bürger?