Freund, Helfer, schwul: Auch heute noch immer nicht selbstverständlich akzeptiert

30. April 2017 at 15:42

Es ist gerade einmal 23 Jahre her, als 1994 der sogenannte Schwulenparagraph in Deutschland abgeschafft wurde. Seit dem hat sich zwar viel geändert, aber es ist bis heute nicht unbedingt selbstverständlich, dass Schwule oder Lesben innerhalb der Polizei akzeptiert werden.

Und genau darum geht es. Niemand braucht Homosexualität toll zu finden oder die sogenannte Homo-Ehe zu unterstützen. Es würde vollkommen ausreichen, wenn einfach akzeptiert werden würde, dass manche ein anderes Leben führen, andere Vorlieben haben, als der überwiegende Rest.

Johannes Träumer, 36 Jahre alt, ein schlaksiger großer Mann ist Polizist in Bayern – und schwul. Als er in die bayerische Polizei eintrat, waren es noch andere Zeiten, der Schwulenparagraph war gerade einmal seit drei Jahren gestrichen worden. Er musste sich das ein oder andere Mal dumme Sprüche anhören. An ein Outing war nicht zu denken.

Damals jedenfalls. Heute lebt er mit einem schwulen Polizisten zusammen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Und er engagiert sich als Gründer in dem VelsPol Bayern e.V. (Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter). Auch hier muss er für die Gleichberechtigung kämpfen.

Als vor drei Jahren die European Gay Police Association ein Treffen in Berlin hatte, zu dem aus ganz Europa, den USA und Israel lesbische und schwule Polizisten anreisten, durften aus dem gesamten Bundesgebiet die Beamten und Beamtinnen offiziell an dieser Veranstaltung teilnehmen. Nur Bayern verwehrte dies zunächst, mit der Begründung, dass das Treffen eine politische Veranstaltung sei und keine Fortbildung.

Johannes Träumer wandte sich damals an Politiker und Journalisten, er kämpfte um das Recht, das allen anderen Polizisten aus den 15 Bundesländern eingeräumt wurde. Mit Erfolg, das bayerische Innenministerium überdachte seine Entscheidung und ließ auch ihre Beamten an der Veranstaltung teilnehmen.

Dies ist nur ein Beispiel, das lesbische und schwule Polizisten hadern lässt und ihre Lebensentscheidung indirekt in Frage stellt. Aber die Frage der sexuellen Orientierung macht aus Schwulen oder Lesben keine besseren oder schlechteren Menschen, keine besseren oder schlechteren Polizisten.

Es ist eine persönliche Entscheidung, die jedem frei stehen und die einfach nur akzeptiert werden sollte. Nichts weiter. Damit wäre schon viel erreicht.

Die ganze Geschichte von Johannes Träumer könnt ihr hier nachlesen.