Für Markus Stephan ein wahr gewordener Traum: Vom Brennpunkt NRW zum beschaulichen Eiland

23. April 2017 at 16:31

Was treibt einen Polizisten aus einer Großstadt mit etwa 220.000 Einwohnern dienstlich auf eine Insel mit rund 1.200 Einwohnern? Markus Stephan, ehemals Polizisten in Krefeld (Nordrhein-Westfalen), nun “Inselsheriff” auf Pellworm (Schleswig-Holstein), gibt die Antwort:

„Bei schönem Wetter denke ich oft: ,Mein Gott, was ist das für ein Traum. Das ist der schönste Ort‘“, sagt der Polizist über Pellworm, seine neue Dienststelle. Bei Wetter wie an diesem Regentag aber auch schon mal: „Hoffentlich bleibt das nicht immer so“, gibt er lachen zu. Ein wahr gewordener Traum, so beschreibt der 46-jährige, große und sportliche Mann sein neues Aufgabengebiet. Trotz Wind, Regen und einstelligen Temperaturen im April, wirkt er gelöst und entspannt.

Seit dem ersten März ist Markus Stephan im Norden tätig, zur Zeit wird er noch auf Husum eingearbeitet. Danach geht es für ihn auf das beschauliche Eiland Pellworm. Kein Streifenwagen, keine Kollegen erwarten den 46-Jährigen dort. Es gibt nur ihn, einen einzigen Polizisten.

Zuletzt war Markus Stephan in Krefeld am Niederrhein tätig, gut 220.000 Einwohner, ein 138 Quadratkilometer großes Dienstgebiet, und jetzt Pellworm – ein 37 Quadratkilometer großes oder kleine Insel (je nachdem) im nordfriesischen Wattenmeer mit rund 1.200 Einwohnern. Die nächsten Kollegen befinden sich auf dem Festland.

Ein Blaulicht hat sich Stephan schon zugelegt, auch wenn er keinen Dienstwagen zur Verfügung hat. Wenn auch wohl nicht, um damit zu einem Einsatz zu rasen, sondern eher, um etwa beim Einsatz eines Rettungshubschraubers den Ort zeigen zu können, wie er vorausschauend sagt.

„Ich finde es schön, wenn die Polizei präsent ist“, sagt er. Wenn der Polizist von den Menschen erkannt werde, dazugehöre als wichtiger Teil der Gemeinde, wie der Bäcker oder der Arzt. Markus Stephan möchte nicht nur stur Knöllchen verteilen, sondern mit den Leuten reden. Ein Teil dieser Menschen werden. Pellworm sei wirklich ein schöner Ort, „hier kann man gut leben“, sagt Stephan. Er würde sich freuen, wenn noch mehr Menschen seinem Beispiel folgten. Die Insel hätte das verdient, findet er.

Auch der Vorgänger von Stephan kommt aus NRW. Paul Pastoors war seit 2003 Inselpolizist und hatte sich beim ersten Besuch 1995 auf der Insel, sofort in dieses Eiland verliebt. Bereits 1999 kaufte Pastoors ein Reetdachhaus und renovierte es und als er gehört hatte, dass der damalige Inselpolizist 2003 in Ruhestand gehen wollte, bewarb Pastoors sich auf die Stelle und bekam sie. Jetzt geht der 62-Jährige selbst in Pension. Am 1. Mai ist es so weit. Bis dahin gibt er Stephan noch Tipps, weiht ihn in die Besonderheiten des Jobs als Inselpolizist ein. Die Männer verstehen sich.

„Man ist mehr oder weniger Sozialarbeiter“, sagt Pastoors. Vieles werde im Gespräch geklärt. „Es sei denn, es handelt sich um Straftaten.“ Da könne man kein Auge zudrücken, aber das wüssten die Einwohner Pellworms auch. Und wenn das Polizeibüro im Zimmer neben dem Standesamt im Amtshaus mal nicht besetzt ist, kommt es auch mal vor, dass die Leute beim Polizisten vor der Haustür stehen. Fast so wie beim Landarzt.

Zu tun gibt es immer, „aber das Einsatzaufkommen ist nicht so hoch“, sagt Pastoors. Die Kriminalität halte sich in Grenzen. Es gebe mal Fahrrad- oder Ladendiebstähle. Manchmal passieren Verkehrsunfälle, zu denen er gerufen wird. Aber ein richtiges Kapitalverbrechen habe er nicht erlebt in seiner Zeit als Inselpolizist.

Lange hat Pastoors nach einem Nachfolger gesucht. „Es waren ein paar Bewerber da, aber irgendwie passte das nicht“, erzählt der 62-Jährige. „Und mit Markus passte das“, sagt er. „Das ist der Kollege, der hier hinpasst.“ Wichtig sei ja, dass jemand wirklich auf Pellworm Dienst tun und leben wolle. Aus Schleswig-Holstein habe niemand hierher gewollt, ergänzt Stephan. Vielleicht auch, weil der Partner nicht mitziehen will oder einen Job auf dem Festland hat. Die eher sporadischen Fährverbindungen nach Nordstrand machen ein tägliches Pendeln selbst nach Husum eigentlich unmöglich.

2016 war es dann für Markus Stephan so weit. Er bekam, vor Antritt des geplanten Sommerurlaubes mit seiner Frau, eine Email von einem befreundeten Kollegen mit dem Betreff “Futter für deine Träume”. Darin enthalten die Stellenausschreibung für Pellworm. Stephan wurde schnell aktiv. Er schrieb ein Versetzungsgesuch auf Länderwechsel, ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Doch er hatte Glück und bekam den Job auf der Insel. Weg will er hier nicht mehr so schnell.

Wir wünschen dem Kollegen Markus Stephan alles erdenklich Gute, viel Freude bei seinem neuen Aufgabenbereich und immer eine gute Hand bei Inselbewohnern und Gästen!