Fundsachen gehören nicht in die sozialen Medien

27. April 2017 at 14:12

Fundsachen gehören nicht in die sozialen MedienWir geben Tipps

Uns wurden auch schon Fragen zu diesem Thema gestellt und man kennt diese Gruppen auf Facebook, entweder die Regionalgruppe oder sogenannte “Verloren gefunden…”-Gruppen. Das Posten von Fundsachen in sozialen Netzwerken ist kritisch zu betrachten.

Wir gehen im Folgenden auf das Thema ein und geben am Ende Tipps für Finder und Verlierer. 👇

Warum das Posten von Fundsachen im Internet rechtlich problematisch werden kann, erklärt Birgit Bogner-Mathes vom Wittener Fundbüro.

Nutzer posten gerne sofort gefundene Gegenstände in speziellen Gruppen auf Facebook, sei es einmal der Turnbeutel, der auf einer Parkbank gefunden wurde oder den gefundenen Schlüsselbund. Dabei ist das Posten rechtlich sehr bedenklich. Auf die Frage, ob die sozialen Netzwerke in diesen Fällen ein Segen oder ein Fluch sind, meint Birgit Bogner-Mathes, dass es eher ein Fluch sei.

Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist das Folgende klar geregelt: „In Paragraf 965 gibt es eine ganz klare Anweisung zur Anzeigepflicht des Finders“, erklärt die 48-Jährige. Ein Fundstück muss dem Verlierer oder Eigentümer also auf jeden Fall zur Anzeige gebracht werden: „In der Regel geht das über die Polizei oder das Fundbüro.“

Und das sei wichtig und richtig: Nur so könne nämlich ein vernünftiger Ablauf gewährleistet werden. „Anders lässt sich das kaum regeln“, warnt die Expertin. Nicht nur, dass die falschen Leute sich vielleicht Informationen über das gepostete Bild verschaffen, die sie nicht haben dürften – Namen, Schlüsselform, Adressen beispielsweise. Über ein Foto sei das Fundstück auch schnell für jeden beschreibbar – zumal die Finder gern dazu schreiben, wo und wann sie es gefunden haben. Da kann schnell was in falsche Hände gelangen.

Aber auch praktisch sei das einfach schwierig mit der privaten Abwicklung, sagt Bogner-Matthes und wirft folgende Fragen auf: Wie prüfe ich denn, ob sich die richtige Person als Eigentümer ausgibt? Was mache ich, wenn der angebliche Eigentümer behauptet, es fehle etwas (Haftungsfolgen für den Finder)? Wie regele ich die Übergabe – will ich wirklich fremde Leute bei mir im Haus haben? Und was ist eigentlich mit Finderlohn?

„Ich sehe das vor dem rechtlichen Hintergrund sehr, sehr kritisch“, sagt Frau Bogner-Mathes. „Da können Sie wirklich in Teufels Küche kommen.“ Dass etwas schief gehe, passiere vielleicht nur einmal in 100 Fällen. „Aber die Gefahr besteht nun einmal, das muss man sich immer vor Augen halten.“

Sie rät daher dringend, den üblichen Weg einzuhalten. Diesen Rat können wir nur unterstützen. „Schlüssel gefunden, im Fundbüro abgegeben“: Diese kurze Information könnte man ja trotzdem bei Facebook einstellen – und den Rest dem Amt überlassen: Die Experten wissen, wie sie sich was beschreiben lassen, erfassen die notwendigen Daten und regeln die Übergabe – auch in strittigen Fällen.

Wer etwas vermisst, findet hier immer die richtigen Ansprechpartner.

Abgesehen von der Anzeigepflicht, die das BGB vorschreibt, kann sich ein Finder auch strafbar machen, wenn er die Fundsache dem Besitzer oder bei den zuständigen Stellen nicht abgibt. Eine Anzeige wegen sogenannter Fundunterschlagung wäre die Folge.

👉 Tipps für Finder

❌ Fundsachen nicht behalten oder in den sozialen Medien posten.
✅ Kennt man den Besitzer, kann man die Fundsache auch direkt bei ihm abgeben.
✅ In allen anderen Fälle gilt: Fundsachen den zuständigen Behörden übergeben, also Fundbüro oder Polizei (Anzeigepflicht des Finders § 965 BGB).
✅ Der Finder kann Finderlohn verlangen (§ 971 BGB).
✅ Nach einer bestimmten Frist kann der Finder an der Fundsache Eigentum erlangen, wenn der Eigentümer sich nicht gemeldet hat oder nicht ermittelt werden konnte (§ 973 BGB).
❌ Kommt der Finder seiner Anzeigepflicht nicht nach oder verschweigt er auf Nachfrage den Fund, verliert er damit alle Rechte als Finder (Finderlohn, Eigentumserwerb).
❌ Wer Fundsachen nicht abgibt kann sich wegen (Fund-) Unterschlagung strafbar machen (§ 246 StGB).

👉 Tipps für Verlierer

✅ Zunächst an möglichen Stellen suchen, wo man die Sache eventuell verloren hat.
✅ Den zuständigen Stellen (Fundbüro, Polizei), insbesondere bei Bargeld, Urkunden (auch amtliche Kennzeichen von Fahrzeugen) und Ausweisen, sowie Debit- (Maestro, ehemals EC-Karte) und Kreditkarten, den Verlust anzeigen.
✅ Debit- und Kreditkarten vom Bankinstitut sperren lassen (Sperr-Notruf in Deutschland: 116 116).
✅ Nur durch eine entsprechende Verlustanzeige erhält man Ersatz für Ausweise und Karten.
✅ Teilt das Fundbüro dem möglichen Eigentümer die Abgabe einer Fundsache mit, kann durch Kaufbelege oder ähnliches der Eigentum nachgewiesen werden. Näheres erfährt man beim zuständigen Fundbüro.