Größte Übung in der Geschichte der Landespolizei am 27. April in Kiel

19. April 2017 at 12:09

Größte Übung in der Geschichte der Landespolizei am 27. April in KielAm 27. April findet in Kiel (Schleswig-Holstein) die größte Übung zu einem Terroranschlag in der Geschichte der Landespolizei statt. So können vielleicht Schwachstellen aufgedeckt werden von denen bisher nichts bekannt war. 1300 Beamte werden in Kiel im Einsatz sein. Unterstützt werden Sie von Feuerwehr und Rettungsdienst.

Wir Streifenbeamte sind bei solchen Vorfällen die ersten die an den Tatorten eintreffen. Unsere Aufgabe ist die Attentäter daran zu hindern ihr Vorhaben weiter auszuführen, bis die Spezialeinheiten eintreffen. Darauf müssen wir vorbereitet werden.

„Beim Szenario orientieren wir uns an den Anschlägen von Paris, Brüssel und Berlin“, sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt. In Paris schlugen Terroristen des „Islamischen Staats“ an fünf Orten mit Sprengstoff und Schusswaffen zu. In Brüssel sprengten sich drei Selbstmordattentäter in die Luft, und in Berlin raste ein Sattelzug auf einen Weihnachtsmarkt.

Gutt: „Unser Ziel ist es, die taktischen Pläne, die wir für diesen Fall erarbeitet haben, auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.“

Die Beamten werden für diese Übung mit neuen ballistischen Westen und Helmen ausgestattet, die den Polizisten normal erst ab dem Sommer zur Verfügung stehen sollen.
Nach Planung der Polizei ist die Lage so komplex, dass Spezialkräfte anderer Bundesländer zur Hilfe gerufen werden müssen. „Das gibt uns die Möglichkeit, dass Zusammenspiel der Spezialeinheiten zu trainieren“, so Gutt. Auch für die Abläufe auf der Führungsebene sei die Übung ein wichtiger Praxistest. „Wir hoffen, Schwachstellen aufzudecken, von denen wir noch nichts wussten“, fasst Gutt die Erwartungen an den 27. April zusammen. Außerdem wolle man den Beamten und auch der Bevölkerung vermitteln, dass die Polizei sich auf einen Ernstfall vorbereite. „Es wird eine sehr realistische Darstellung“, betonte Gutt. Dazu gehöre auch die Evakuierung von Gefahrenzonen, das Versorgen von Verletzten und das Bergen von Toten.

Nicht nur, dass Attentäter zuletzt Fahrzeuge zu Waffen gemacht haben, spielt hier eine große Rolle. Auch die Sicherung von Großveranstaltungen steht mit auf dem Programm. Ein Test der Dekra Neumünster hat gezeigt dass Betonblöcke als Blockaden nicht sicher sind und durchbrochen werden können.

„Die Polizei könnte notfalls mit Sonderfahrzeugen Sperren errichten“, sagt Gutt. „Die Frage ist, ob ein solches bedrohliches Bild öffentlich gewollt ist.“

Leider ist es sehr wichtig geworden jedes mögliche Szenario durchzuspielen, damit wir besser vorbereitet sind auf mögliche Anschläge. Aber dass wir nicht alles verhindern können ist und dürfte leider allen klar sein.