Leserbrief: Nach einem Anschlag – wie sich das Leben verändert

15. April 2017 at 21:55

Nach einem Anschlag - wie sich das Leben verändert

Vergangene Woche hat es zum ersten Mal meine Stadt Dortmund erwischt. Ein Anschlag auf unsere Spieler des BVB. Mit großem Glück ist dieser Anschlag noch glimpflich abgegangen. Wobei ich die seelischen Wunden, die nach so einem Erlebnis entstehen, nicht herunter spielen möchte. Denn an diesen werden unsere Jungs noch einige Zeit zu knabbern haben.

Allen ist bewusst, dass dieser Anschlag weitaus schlimmer hätte ausgehen können. Den Spielern wurde das so wirklich bewusst, als sie zu ihren Familien nach Hause konnten. Doch am nächsten Tag hatten sie einfach wieder zu funktionieren und mussten ihrer Arbeit nachgehen als ob nie etwas passiert wäre. So ergeht es uns Polizisten auch, nach Einsätzen die man verarbeiten sollte. Man muss weitermachen.

Ich habe viele Meinungen dazu gelesen und die meisten waren einfach nur voller Respekt für diese Jungs. Dann gibt es aber auch die, die meinen, dass es Profis sind und dies wegstecken müssten. Ein klares NEIN, ist meine Antwort darauf. Denn diese Jungs sind Menschen wie du und ich. Wenn einem bewusst wird, dass man nur mit Glück noch seine Liebsten in die Arme nehmen durfte, kommt das reale Ausmaß erst zu Tage.

Aber auch für uns Polizisten ist dies nicht immer leicht zu verarbeiten. Auch ein Kollege wurde bei diesem Anschlag verletzt, der immer noch dienstunfähig ist. Wir stehen an vorderster Front und wissen nicht was noch passiert. Sind hier noch weitere Sprengsätze? Sind die Attentäter noch in der Nähe? Schlagen Sie erneut zu? Alles muss akribisch untersucht werden. Es könnte alles sein, zum Beispiel eine Falle etc. pp.

Es wird im Netz sehr viel spekuliert wer für diesen Anschlag verantwortlich ist. Ich werde und möchte mich nicht an diesen Spekulationen beteiligen, denn für mich zählen Fakten und die gibt es derzeit einfach nicht. Man weiß noch nicht wer genau dafür verantwortlich ist. Aber ich bin mir sicher, dass meine Kollegen dies noch herausfinden und dann die, die dafür verantwortlich sind, zur Rechenschaft ziehen werden.

Man ist sich bewusst darüber, dass es nur eine Frage der Zeit war, dass auch ein Anschlag bei uns passiert. Aber wenn es dann wirklich eintrifft ist man schon geschockt und macht sich sehr viele Gedanken. Gedanken um sein Leben….

Meine Familie hat lange Zeit geschwiegen und mir nichts mehr zu ihren Ängsten erzählt. Doch dies hat sich verändert nach dem Anschlag. Sie haben Angst um mich, um alle Polizisten.

Man versucht sie zu beruhigen, aber man weiß, dass man es nicht kann. Man kann ihnen die Ängste nicht nehmen. Sie müssen damit Leben. Manchmal frage ich mich, was ich da meiner Familie angetan habe, als ich diesen Beruf gewählt habe. Aber sie wissen, dass mein Job mein Leben ist. Ich kann und will diesen Beruf nicht aufgeben. Mein Bestreben liegt darin, Menschen zu helfen.

Was mir Hoffnung gemacht hat, ist, dass die Stadt nach diesem Ereignis wieder etwas zusammen gerückt ist. Ich hoffe und wünsche mir, dass dies sehr sehr lange Zeit anhält. Wir müssen zusammenhalten, nur so können wir diesen Terroristen die Stirn bieten. Wenn wir uns selbst gegenseitig fast zerfleischen wegen Kleinigkeiten bringt uns dass nicht weiter.

Wir müssen wieder lernen jedem Menschen den Respekt zukommen zu lassen, den auch wir selbst haben wollen. Nur so können wir untereinander für Frieden sorgen.

Es wird leider immer Menschen geben die uns bekämpfen wollen. Aus den unterschiedlichen Gründen. Aber was wir tun können, im Alltag, den Menschen mit denen wir täglich zu tun haben, Respekt entgegen zu bringen.

Ein nettes Wort, ein Lächeln… Sie können so viel bewirken.

Der Autor ist uns namentlich bekannt und möchte anonym bleiben.