Schusswaffengebrauch – alles andere als leicht

9. April 2017 at 20:25

Schusswaffengebrauch - alles andere als leichtZu den Berichten heute mittag, möchte ich noch etwas persönliches sagen…..

Viele fordern wir sollten schneller schießen, dabei weiß keiner was es bedeutet wirklich auf einen Menschen schießen zu müssen.

Leider bleibt uns immer wieder keine andere Wahl, als die Waffe zu ziehen und sie auch einzusetzen.Es ist, darf und sollte immer unser letztes Mittel sein. Wer jetzt denkt, dass es einfach ist, irrt gewaltig.

Die Waffe zu ziehen um zu drohen, dass der Gebrauch der Waffe bevorsteht mag ja noch ein probates Mittel sein in manchen Fällen. Aber die dann auch wirklich einzusetzen ist definitiv etwas anderes.

Jeder Kollege der die Waffe einsetzen musste, weiß wovon ich rede. Selbst wenn man weiß dass man keine andere Wahl hatte, überlegt man ob man es nicht doch anders lösen hätte können. Schlaflose Nächte sind oftmals die Folge. Man spielt in Gedanken immer wieder das Szenario durch. Man denkt soviel nach, dass man davon Kopfschmerzen bekommt.

Meist ist dies der Fall, wenn ein Mensch, der zwar Unrecht getan hat, mit dem Leben bezahlen musste. Weil er nicht aufgeben wollte, weil er bis zuletzt sein Tun nicht als falsch ansah oder what ever.

Ich musste selbst die Waffe jetzt das dritte Mal benutzen, einmal hing das Leben meines Gegenüber wirklich am seidenen Faden. Ich saß im Krankenhaus und wollte dort nicht weg, bis ich wusste der Mann schafft es. Als die Ärzte mir sagten ” er ist über dem Berg” konnte ich nach Hause gehen und wenigstens für zwei Stunden mal schlafen.

Ja, ich bin Polizist und weiß, dass es jederzeit zum Schusswaffengebrauch kommen kann. Dieses war mir von Anfang an bewusst. Aber es ist definitiv etwas anderes es zu wissen, als es zu tun.

Auch einer der zum Straftäter wird, ist ein Mensch. Kein Mensch hat den Tod verdient egal was er angestellt hat. Klar muss er für seine Taten bestraft werden und das auch richtig.

Aber wenn ich so manches mal Kommentare unter bestimmten Beiträgen lese, weiß ich nicht vor wem man mehr Angst haben sollte. Es wird öffentlich zum Mord aufgerufen, dass man sich hierbei auf ein und dieselbe Stufe stellt wie der Straftäter um den es geht, scheint vielen nicht bewusst zu sein. Es wundert mich kaum noch dass Menschen wegen Kleinigkeiten ausrasten, wenn man die Gewaltphantasien mancher im Netz liest.

Es macht teilweise einen wirklich nur noch fassungslos… Ich bin Polizist geworden um zu Helfen und nicht um Menschen zu töten.

Viele Kommentatoren entrüsten sich darüber dass gegen uns nach einem Schusswaffengebrauch ermittelt wird. Für uns ist dies genau das wichtige dabei, denn nur so sind wir sicher auch “richtig” gehandelt zu haben. Ich bin jedenfalls froh, dass es diese Ermittlungen gibt.

Wir ziehen die Waffen nicht aus Spaß und ich glaube ich kann für jeden meiner Kollegen sprechen, dass wir keine schiesswütigen Rambos sind, wie wir manchmal auch dargestellt werden.

Wir fordern seit Jahren Taser, aber darauf werden wir wohl noch Jahre warten. Wobei diese eine echte Alternative zu der Schusswaffe sind. Die Taser müssten im Gesetz einen Platz zwischen Pfefferspray, Schlagstock und der Waffe bekommen. Auch diesen würden wir mit Bedacht einsetzen… Körperliche Gewalt ist immer unser letztes Mittel.