“Katastrophale Nacht und chaotische Zustände”: Alkoholisierter Mob greift Polizisten an

26. Juni 2017 at 19:07

15 verletzte Polizisten, einer davon schwer
Extrem weite Anfahrtswege für Unterstützungskräfte

Fassungslos. Dieses Wort beschreibt nicht annähernd unser Empfinden, wenn wir über den folgenden Vorfall berichten. Und wer denkt, wir berichten über Duisburg Marxloh, das Hamburger Schulterblatt oder die Rigaer Str. in Berlin, der irrt. Das Geschehen fand in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) statt.

Die Polizei in Magdeburg hatte in den vergangenen Wochen vermehrt Kontrollmaßnahmen im Bereich des Hasselbachplatzes durchgeführt, da es dort wiederholt zu Ruhestörungen und Straftaten gekommen war. Unterstützt vom Zentralen Einsatzdienst und der Bereitschaftspolizei zeigte die Polizei dort verstärkte Präsenz.

In der Nacht zum gestrigen Sonntag eskalierte die Situation vollkommen, als eine Streife gegen 2 Uhr zu einer mutmaßlichen Körperverletzung hinzu kam und die Anzeige aufnehmen wollte. Die Polizei Magdeburg berichtete im Vorfeld von Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigungen und Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge.

Als die Beamten die Körperverletzungsanzeige aufnehmen wollten, solidarisierte sich ein alkoholisierter Mob gegen die Polizisten. Die Kollegen wurden angepöbelt, bedroht und beleidigt, so dass sie starke Unterstützungskräfte anfordern mussten.

An der Spitze standen den Beamten bis zu 150 aggressive Personen gegenüber, die mit Flaschen und Steinen auf die Einsatzkräfte warfen. Marc Becher, Pressesprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord, erklärte gegenüber dem MDR: “Es waren alles sehr junge Menschen, auch Teenager.” 80 Prozent der Gewalttäter seien deutsche Jugendliche gewesen, später hätten sich noch Fußballhooligans und einige Menschen mit Migrationshintergund unter den gewaltbereiten Mob gemischt.

Stundenlang habe die Polizei versucht, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Hierbei sei es immer wieder zu “Körperverletzungen untereinander und Übergriffen auf Polizeibeamte” gekommen. Hierbei wurden auch “Pflastersteine und Verkehrsschilder herausgerissen, Baustellenmaterial, Blumenkübel und Mülltonnen umhergeworfen”.

Insgesamt 15 Polizisten wurden durch den Bewurf mit Flaschen und Steinen getroffen und verletzt. Mindestens einer von ihnen wurde schwer verletzt und trug eine Platzwunde am Kopf davon. Durch die Wurfgeschosse gegen die Polizisten wurden auch Fahrzeuge von Anwohnern beschädigt.

Wie die Polizei weiter mitteilt, seien Unterstützungskräfte aus den umliegenden Revieren, aber auch von der Bundespolizei und Einheiten der Bereitschaftspolizei aus Magdeburg und Halle zum Hasselbachplatz geeilt. Durch die teils enormen Anfahrtswege hätten die Unterstützungskräfte nicht schnell vor Ort und ihre Kollege im Einsatz unterstützen können.

110 Polizisten waren in der Nacht zum Sonntag am Hasselbachplatz im Einsatz. Strafverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und Beleidigung wurden eingeleitet. Sieben Personen wurden vorläufig in Gewahrsam genommen, sind aber wieder auf freiem Fuß.

Was diese Ausschreitungen verursacht habe, sei laut Polizei derzeit noch völlig unklar. Was jedoch klar wurde, sagte die Polizei gegenüber dem MDR: “Die Polizei sprach von einer katastrophalen Nacht und chaotischen Zuständen.”

Wir senden den verletzten Kollegen auf diesem Wege die besten Genesungswünsche und hoffen, dass sie angemessen in der Nachbereitung dieses schwierigen Einsatzes betreut werden!