Leserbrief von Mattes: Kritik an Feier von Berliner Polizisten in Hamburg gerechtfertigt?

27. Juni 2017 at 20:09

Leserbrief von Mattes: Kritik an Feier von Berliner Polizisten in Hamburg gerechtfertigt?Wie heute zahlreichen Medien zu entnehmen ist, wurden drei Einsatzhundertschaften aus Berlin, die ihre Hamburger Kollegen beim Einsatz während des G20-Gipfels unterstützen sollten, vorzeitig nach Hause geschickt. Die Polizisten, die in einem ehemaligen Containerdorf für Asylbewerber untergebracht waren, sollen in ihrer Freizeit eine große Sause veranstaltet haben.

Von einer lautstarken Party ist da die Rede, von Urinieren an einen Zaun, Sex unter freiem Himmel (innerhalb der Unterkunft) und Wasserpfeiferauchen. Scheinbar ist auch etwas zu Bruch gegangen. Weiter wollen wir darauf nicht eingehen, da dies bereits die Medien übernommen haben.

Sicher kann man ein solches Verhalten vor dem Hintergrund der außerdienstlichen Wohlverhaltenspflicht des Beamtenrechts nicht gutheißen. Was in diesem Zusammenhang aber einen schalen Beigeschmack hinterlässt, ist die Tatsache, dass laut Medienberichten Wachschützer des Containerdorfs im Auftrag der Hamburger Einsatzleitung Fehlverhalten der Berliner Kollegen dokumentieren und melden sollten.

Fragwürdig ebenso, wie es geschehen konnte, dass Bilder dieser Party an die Medien gelangten, die diese schamlos ausschlachten. Tatsächlich ein Polizeiskandal?

In diesem Zusammenhang erreichte uns die Zuschrift eines Polizisten. Mattes, kein Berliner Polizist, möchte hinsichtlich der Party der Berliner Kollegen einen Denkanstoß geben:

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Liebe Medienwelt!

Ich verstehe sicher ebenso wenig von Eurer Arbeit, wie Ihr vom Dienst eines Polizisten.

Gerade Berliner Kollegen sind gebeutelt genug. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder aus Hinterhalten einzelne Beamte angegriffen. Ich möchte in keiner Einsatzhundertschaft meinen Dienst verrichten. Wenig freie Wochenenden, tausende Überstunden, ständig weg von zu Hause.

Viele Kollegen aus den Hundertschaften sehen seltenst Frau und Kinder. Die Ehen gehen zu Bruch. Wofür ein Haus bauen und finanzieren, wenn man mehr im Grukw wohnt, als zu Hause?
Wofür zuhause bekocht werden, wenn man doch Verpflegungsbeutel mit gammeligen Schnitzeln im Einsatz bekommt.

Die Polizei ist eh schon die zweite Familie für die meisten.

Wenn dann mal der Druck abfällt, dann wird auch mal gefeiert. Das muss man den Beamten doch bitte auch zugestehen.

Falls hier Straftaten begangen werden, so soll und muss hier unbedingt ermittelt werden. Aber hier hunderte Kollegen über einen Kamm zu scheren, das ist einfach nur FALSCH.

Bitte lasst der Polizei doch mal die Wertschätzung zukommen, die sie verdient.

Jeden Tag retten Polizisten in Deutschland viele Menschenleben – berichtet wird hierüber nur selten.

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Der Autor ist uns namentlich bekannt. Der Leserbrief gibt die persönliche Meinung des Autors wieder.