Messerangriffe auf Polizisten: Zwei Mal Schusswaffengebrauch in zwei Tagen in Bayern

4. Juni 2017 at 17:17

Messerangriffe auf Polizisten: Zwei Mal Schusswaffengebrauch in zwei Tagen in BayernNicht nur Terror oder Großschadenslagen schaffen Gefahren für Polizisten, es sind auch die alltäglichen Angriffe, insbesondere dann, wenn der Angreifer mit einem Messer bewaffnet ist, welche für uns Polizisten unkontrollierbare Gefahren schaffen.

Und jeder Polizist weiß, wenn der Aufforderung das Messer niederzulegen nicht Folge geleistet wird, dass dann letztendlich nur eine Option bleibt: der Schusswaffengebrauch. Das mussten auch die bayerischen Kollegen wieder erfahren, die innerhalb zwei Tagen zweimal von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen mussten. Einmal gelang es ihnen den Angreifer angriffsunfähig zu machen, das andere Mal verlief die Sache tödlich. Im letztgenannten Fall waren davon abgesehen noch mehr Opfer zu beklagen.

❶ Polizisten können randalierenden Messerangreifer durch Schusswaffengebrauch angriffsunfähig machen

In der vergangenen Nacht wurde die Polizei über einen Randalierer in Oberstraubling informiert. Der 21-Jährige hatte zunächst in seiner Wohnung randaliert. Dann war er auf die Straße gegangen und bewarf zahlreiche Autos mit Steinen, in denen Fensterscheiben zu Bruch gingen. Polizeisprecher Dietmar Winterberg kann zwar nicht genau sagen, wie viele Autos beschädigt wurden: “Aber es waren viele, sehr viele Autos, bei denen die Scheiben eingeworfen waren.”

Dadurch war die ganze Nachbarschaft aufgewacht und alarmierte gegen 04:40 Uhr die Polizei. Ein Anwohner forderte durchs Fenster hindurch den Randalierer auf damit aufzuhören, was diesen aber offenbar nur noch wilder machte. Er versuchte die Haustür des Anwohners einzutreten, was er allerdings nicht schaffte.

Etwa zeitgleich trafen die ersten Polizeistreifen ein. Nachdem der polizeibekannte Deutsche zunächst vor den Polizisten in Deckung ging, verfolgte er dann eine andere Strategie. Er bewarf die Polizisten mit Steinen und als ihm die Steine ausgegangen waren, griff er zu einem Küchenmesser, welches er mitführte, und ging damit auf die Beamten los.

Die Aufforderung das Messer niederzulegen ignorierte er völlig. “Auch die Warnschüsse interessierten den Mann überhaupt nicht”, berichtet Polizeisprecher Winterberg. So mussten die Polizisten von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machen und konnten so den 21-Jährigen stoppen. Er kam in ein Krankenhaus, es besteht keine Lebensgefahr.

Das Bayerische Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen und prüft die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs.

❷ Nach Kindstötung schießen Polizisten auf Messerangreifer und treffen ihn tödlich

Viel schlimmer und tragischer war der Einsatz der Polizei in einer Asylbewerberunterkunft in Arnschwang. Dort war es gestern gegen 16:50 Uhr zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen, bei der ein 41-jähriger afghanischer Asylbewerber mit einer 47-jährigen Russin in Streit geriet.

Infolge des Streits nahm der Angreifer ein Messer und traktierte damit den fünfjährigen Sohn der Russin. Auch die Frau selbst wurde mit dem Messer angegriffen. Als die Polizisten vor Ort eintrafen, musste sie schnell handeln, denn der 41-jährige Angreifer ließ nicht mit sich reden und griff die russische Frau mit dem Messer an, die bis dahin schon mehrere Verletzungen erlitten hatte.

So kam es zum polizeilichen Schusswaffengebrauch. Der 41-jährige Afghane erlitt hierdurch lebensgefährliche Verletzungen, an denen der Gewalttäter vor Ort verstarb. Auch der fünfjährige Sohn der Russin verstarb noch am Einsatzort. Das sechsjährige Kind der Frau blieb zwar körperlich unversehrt, musste aber den schrecklichen Vorfall mit ansehen.

Die Russin selbst wurde durch den Messerangriff schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Mutter und Kind kamen in ein Krankenhaus und werden dort von einem Kriseninterventionsteam betreut. Auch der Polizist, der den Schuss abgegeben hatte, erlitt einen Schock und musste, wie auch fünf Bewohner der Asylbewerberunterkunft, betreut werden.

Die Unterkunft wurde daraufhin geräumt und die Menschen wurden woanders untergebracht. Die Ermittlungen hat das Bayerische Landeskriminalamt übernommen.

Wir wünschen den eingesetzten Kollegen eine gute Betreuung und dass sie diese Vorfälle gut verarbeiten können!

Der russischen Mutter gilt unser tiefes Mitgefühl. Nichts ist schlimmer, als den Verlust des eigenen Kindes verkraften zu müssen. 😢