G20: Wie ich als im heimischen Revier gebliebene Kollegin die Bilder erlebt habe

10. Juli 2017 at 10:26

G20: Wie ich als im heimischen Revier gebliebene Kollegin die Bilder erlebt habe

“Hallo liebes Team,

ich bin selbst Kollegin aus Nordrhein-Westfalen und ich finde es unfassbar was dort in Hamburg passierte.

Demonstrieren gegen jeden und alles, hin oder her, aber das ist für mich keine Demonstration mehr. Mir tut es mit Herzen weh, wie die Kollegen in Hamburg um ihr Leben kämpfen.

Doch was dabei immer vergessen wird ist, dass unter diesen Uniformen Menschen stecken, die Familien und Partner haben. Nicht nur die einschreitenden Beamten, sondern auch die Angehörigen erleben schwere Zeiten in Angst um ihre Lieben und in Hoffnung diese unverletzt wieder in die Arme schließen zu können.

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie eine Mama Zuhause versucht ihren Kindern zum wiederholten Mal zu erklären, wo der Papa gerade ist und warum er sich nicht melden kann. Im Hinterkopf die ständige Ungewissheit und Angst, den Partner nicht unverletzt wiederzusehen.

Die Frauen und Männer, welche mit Steinen und Böllern beworfen werden, haben vor einigen Tagen ihre Kinder noch ins Bettchen gebracht, mit ihnen auf dem Spielplatz gespielt oder den Jahrestag mit dem Partner gefeiert. Wie schwer muss der Abschied für Angehörige sein, wenn man weiß, man lässt seinen Papa und Partner los, in der Ungewissheit ihn überhaupt wiederzusehen.

Ich bete für die lebensbedrohlich verletzten Kollegen. Ich für meinen Teil merke, egal welches Alter, Geschlecht oder welcher Dienstgrad. Die Polizei ist eine Familie. Und man leidet mit ihnen.

Ich hatte vorgestern auch Dienst und habe immer wieder die Bilder aus Hamburg gesehen. Man sieht wie die Kollegen auf dem Boden liegen, man hört wie diese massiv angegangen wurden und vielleicht im Sterben liegen.

Es tut so weh, wie wenn ein eigene(r) Bruder/Schwester angegriffen wurde. Man hat den Drang zu helfen, aber man kann nichts tun.
Und diese Hilflosigkeit tut weh.

Im eigenen Einsatz schweifen die Gedanken immer wieder ab zu den Kollegen in Hamburg. Gibt es neue Verletzte? Wann hat das alles ein Ende!? Es macht einen wütend.

Die meisten Polizisten möchten helfen, möchten etwas Gutes tun und für Andere da sein. Wir versuchen in Zeiten des Terrors die Angst zu nehmen. Machen Überstunden, um präsent zu sein und den Menschen ein besseres Gefühl zu geben. Um ihnen zu zeigen, wir sind da um euch zu schützen!

Ziel ist es jeden zu schützen. Doch würdet ihr Jemanden in den Schutz nehmen der eure Familie angreift? Der deinen Bruder oder deine Schwester mit Absicht verletzt hat? Der dir Steine oder Eisenstangen ins Gesicht wirft?

Wir müssen professionell sein. Wir müssen genau diese Menschen, die mit Steinen nach uns werfen, die teilweise die Absicht haben uns lebensgefährlich zu verletzen, diese Menschen müssen wir in anderen Zusammenhängen wieder schützen, wenn sie unsere Hilfe brauchen. Denn wir stellen eigene Interessen zurück, um anderen Menschen ein sicheres und unbeschwertes Leben zu ermöglichen.

Liebe Leser führt euch vor Augen, dass in den Uniformen keine aggressiven Roboter stecken. Es sind Menschen, die Familien haben und in erster Linie immer und überall nur helfen wollen. Das sind die Menschen, die stehen bleiben, wenn jeder andere Angst bekommen würde und wegrennt.

Menschen, die jetzt um ihre Gesundheit und teilweise um ihr Leben kämpfen müssen.

Ich wünsche allen Kollegen die vor Ort in Hamburg sind/waren und allen Angehörigen viel Kraft! Passt bitte auf euch auf und kommt heile zu euren Familien zurück.

Etwas zum Nachdenken!

Liebe Grüße aus NRW.”

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Die Autorin ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.