Gedanken von Jasmin: Wie kann man seelenruhig ein Konzert anschauen, während draußen die Stadt auseinander genommen wird?

14. Juli 2017 at 9:22

Gedanken von Jasmin: Wie kann man seelenruhig ein Konzert anschauen, während draußen die Stadt auseinander genommen wird?

“Normalerweise halte ich mich eher zurück mit Postings über Polizei, Großeinsätze oder politischen Äußerungen. Aber was da in Hamburg abgeganen ist sind Bürgerkrieg ähnliche Zustände, wenn man es nicht sogar schon als solchen deklarieren kann. Die Ausschreitungen sind an Brutalität kaum zu übertreffen.

Ich kann es nicht nachvollziehen, wieso solch ein Gipfel in der linksautonomsten Stadt in ganz Europa abgehalten werden kann. Mich erschüttert jede Meldung, sei es aus der Presse oder von Kollegen vor Ort. Angeschossene Kollegen, zertrümmerte Helme, Straßenkämpfe, Wasserwerfereinsätze, kaum Ruhepausen zwischen den Einsätzen, Rauchschwaden, die den Himmel Hamburgs zieren, zu wenig Polizisten vor Ort. Auf eine Schlagzeile folgt die nächste im Minutentakt. Und genauso schnell wächst der Hass auf diesen Einsatz, auf die Linksautonomen und auf diejenigen, die den Gipfel in Hamburg führen wollten.

Man könnte natürlich sagen, dass es in jeder anderen Stadt genauso passiert wäre. Aber hat jemand schon mal seine Hand in ein Wespennest gesteckt? Natürlich nicht, weil jeder weiß, was dann passiert. Und das gleiche ist in Hamburg passiert.

In jeder anderen Stadt wäre es auch zu Ausschreitungen gekommen. Ich bin mir aber sicher, dass diese Ausschreitungen nicht dieses Ausmaß gehabt hätten und derart aus dem Ruder gelaufen wären.

Ich kann nicht mal mehr sagen “hoffentlich kommen meine Kollegen gut wieder nach Hause”, meine Gedanken sind permanent bei den eingesetzten Kollegen und ich muss mittlerweile nur noch hoffen, dass sie nicht mit größeren Verletzungen nach Hause kommen.

Ich sehe Videos, wo Kollegen andere verletzte Kollegen wegtragen müssen. Wo Polizisten mit Gegenständen beworfen und beschossen werden, und anschließend verletzt zu Boden sacken. Ich sehe Videos, in denen vermummte Personen durch die Straße laufen, Autos anzünden, Fensterscheiben einschlagen, Rauchbomben und Bengalos zünden, Cafés auseinander nehmen und ein Feld der Verwüstung hinterlassen.

Was in den Köpfen der Linksautonomen vorgeht habe ich schon lange aufgehört zu analysieren. Das sind für mich einfach nur psychisch kranke Intensivstraftäter, die alle Kraft dafür einsetzen, die Demokratie und den Staat so weit wie möglich zu sabotieren und zu stürzen. Und offensichtlich haben sie noch Spaß dabei.

Sie sind stolz darauf, ihr Feindbild Polizei zu verletzen und Besitztümer sowie Existenzen fremder Menschen zu zerstören. Die demokratische Grundordnung sowie alle Gesetze sind ihnen hierbei vollkommen egal. Für sie ist es ein Freifahrtschein, sich auf illegalem Weg Luft zu machen und andere Menschen zudem zu schädigen.

Aber was in den Köpfen der feinen Herrschaften umherschwirrt, entzieht sich meiner Kenntnis. Wie kann man seelenruhig ein Konzert anschauen, während draußen die Stadt auseinander genommen wird? Wie ist es, in einer Besprechung zu sitzen und Stunden später raus zu kommen und zu sehen, dass Teile der Stadt fast schon in Schutt und Asche liegen und schwarzer Rauch in den Himmel steigt?

Die dort wohnenden Bürger sind in ihren Grundrechten eingeschränkt und deren Besitztümer werden einfach abgefackelt. Ich wage es zu bezweifeln, dass die Stadt Hamburg die Geschädigten irgendwie unterstützen wird. Dazu kommen noch die enormen Kosten für den Gipfel.

Ich bin nicht nur schockiert über die Brutalität des Einsatzes. Ich bin noch mehr darüber schockiert, wie gewaltbereit und ohne Rücksicht auf Verluste Menschen sein können. Ich bin fassungslos. Offensichtlich war ich einfach zu naiv zu denken, dass so etwas mit solch einem Ausmaß in Deutschland, in einem so weit entwickelten Land, nicht mehr passieren kann.

An meine Kollegen und Freunde in Hamburg: passt bitte auf euch auf! Gleiches gilt natürlich auch die Kollegen von der Feuerwehr und dem Rettungsdienst, die sich in einer vergleichbaren Situation in Hamburg befanden!”

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Die Autorin ist uns namentlich bekannt. Der Leserbrief gibt die Gedanken der Autorin wieder.