Meinung eines (bekannten) Polizisten: Die Polizei sagt Danke an die G20 in Hamburg!

10. Juli 2017 at 21:08

G20 - Meinung eines (bekannten) Polizisten: Die Polizei sagt Danke an die G20 in Hamburg!Ihr könnt euch doch sicher noch an den Kollegen erinnern, der Mitte Juni seinen offenen Brief über den damals noch fast drei Wochen entfernten G20-Gipfel bei uns veröffentlicht hat. Seine Worte fanden viel Aufmerksamkeit bei Bürgern und Medien.

Besagter Kollege hat nun, da der G20-Gipfel beendet ist, einen erneuten Blick auf seine Worte und das gewagt, was in Hamburg geschehen ist. Hat er nun eine andere Meinung? Lest selbst, aber Vorsicht, kann Spuren von Sarkasmus enthalten:

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“Nun ist er also da, der sprichwörtliche Morgen danach.

Nach dem ersten Augenreiben sieht man Kollegen, die man hinter unserem Bundespräsidenten in die Sonne stellt, um eine schöne Kulisse zu haben. Ich hoffe, die Kollegen waren nicht über 40 Stunden im Einsatz und müssen aus PR-Gründen noch länger auf ihren Feierabend warten.

Der Morgen danach, mit einem schalen Geschmack im Mund.

Es entsteht der Eindruck, insbesondere vor dem Hintergrund der Situation in der Freitag Nacht, dass dieses Mal die Falschen “Das Ding geholt” haben. Tausende marodierende Idioten aus dem In- und Ausland klopfen sich vermutlich noch tagelang auf die Schulter, haben sie es doch geschafft, die Bilder des Gipfels maßgeblich mitzugestalten. Vom zahlreichen friedlichen Protest hat es kaum etwas in die Nachrichten geschafft.

Die Bilder der Ausschreitungen sind Bildern von sich windenden Verantwortlichen gewichen. Man zeigt sich überrascht, bestürzt, andere nutzen die Geschehnisse für ihren politischen Erfolg, von rechts außen wird gegen alles gehetzt, was auch nur ansatzweise links der Mitte ist.

Ja, die Lage wurde anscheinend falsch eingeschätzt. Über zahlreiche Kanäle wurde kritisiert und davor gewarnt, den Gipfel in Hamburg stattfinden zu lassen. Und entgegen der Annahme des Bürgermeisters haben die Hamburger nun doch gemerkt, dass der Gipfel stattgefunden hat.

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als würde ich die Krawalle rechtfertigen wollen, oder für randalierende Idioten Partei ergreifen. Auch bei einem anderen Austragungsort hätte es vermutlich große Demonstrationen gegeben. Vermutlich wäre es auch dort zu Gewalt gekommen.

Aber dass sich das ganze Geschehen so heftig auf einen relativ kleinen städtischen Raum konzentriert, dass über Tage hinweg unbeteiligte Anwohner und deren Eigentum und Tagwerk in Mitleidenschaft gezogen werden, war durch die Wahl des Gipfelortes vorprogrammiert. Die Wahl dieser urbanen Lage hat den Krawallsuchern jeden erdenklichen Vorteil verschafft, und die Polizei vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt. Statt ein paar aufgespannter Zelte konnten ganze Straßenzüge als Rückzugsort und Sammelpunkte genutzt werden.

Ich hätte erwartet, dass vielleicht der Besuch der Elbphilharmonie ausbleibt, einfach aus Respekt vor den Einsatzkräften und um vielleicht nicht noch ignoranter zu wirken.

Ihr großzügiges Angebot, den Geschädigten Anwohnern und Ladenbesitzern Entschädigungen zu zahlen ist das Mindeste und Sie, liebe Verantwortliche, sollten da nicht all zu stolz drauf sein. Ich bin sehr beschämt und enttäuscht von so viel Naivität.

Ich hoffe sehr, dass dieser Aufwand, die vielen Verletzten Kollegen und die zahlreichen an Eigentum und Existenz geschädigten Hamburger nicht umsonst waren und ihr teures Essen vielleicht etwas gebracht hat.

Ich bin nur leider nicht sehr optimistisch.”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben. Diese Zeilen geben die persönliche Meinung des Autors wieder, welche wir uns alleine durch die Veröffentlichung nicht zu eigen machen. Bild und Text stammen vom Autor.