Flüchtender schleift Polizisten mit, verletzt ihn schwer und bekommt Bewährungsstrafe

20. August 2017 at 15:38

Flüchtender schleift Polizisten mit, verletzt ihn schwer und bekommt Bewährungsstrafe“Allerletzte Chance” für polizeibekannten Straftäter

Auch hier haben wir wieder ein Beispiel, wie gefährlich alltägliche dienstliche Situation sein können. Was als ein Streit unter Ex-Partnern angefangen hat, endete mit schweren Verletzungen für einen der Polizisten. Jetzt wurde der Täter zur “Verantwortung” gezogen, wenn man das so nennen kann.

Es war Mittwoch der 29. März dieses Jahres. Die 18-jährige Ex-Freundin des Straftäters hatte bei der Polizei in Marl (Nordrhein-Westfalen) eine Anzeige wegen Bedrohung und Nachstellung gegen ihren Ex-Freund erstattet. Bei einer Gefährderansprache wurde dem 23-jährigen Marler durch die Polizisten klar gemacht, dass er sich seiner Ex-Freundin nicht mehr zu nähern habe.

Doch das interessierte den Mann überhaupt nicht. Gegen 19 Uhr bedrohte der 23-Jährige seine Ex-Freundin erneut und die Geschädigte rief die Polizei. Die eingesetzten Polizisten erklärten dem Straftäter, dass er zur Wache verbracht werden soll. Der Straftäter widersetzte sich der Festnahme und schlug um sich.

Währenddessen erschien ein Verwandter des Straftäters, der die Polizisten zusätzlich bedrängte, woraufhin der Straftäter sich befreien konnte. Er sprang in das Auto seines Verwandten und wollte damit fliehen. Einer der Polizisten beugte sich ins Fahrzeug und wollte den Flüchtigen aus dem Auto zerren. Das gelang ihm aber nicht und der 23-Jährige gab Gas.

Er schleifte den 25-jährigen Beamten 20 Meter mit und ließ ihn dann am Boden liegen. Der Straftäter konnte flüchten und erste Fahndungsmaßnahmen waren nicht erfolgreich. Der Verwandte, mit dessen Auto der Mann flüchten konnte, wurde noch vor Ort festgenommen.

Der 25-jährige Polizist wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Er erlitt eine Gehirnblutung, mehrere Brüche im Gesicht, Schürfwunden und eine Platzwunde am Auge. Sechs Tage lang verbrachte er im Krankenhaus, davon den ersten Tag auf der Intensivstation. Acht Wochen war er insgesamt nicht dienstfähig. Sein Kollege wurde bei der Auseinandersetzung leicht verletzt.

Es wurde wegen versuchten Totschlags gegen den Straftäter ermittelt und er befand sich nach seiner späteren Festnahme sechs Wochen in Untersuchungshaft. Nun fand die Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht in Marl statt.

Das Urteil:

Das Landgericht, vor dem die Verhandlung ursprünglich stattfinden sollte, war nicht der Überzeugung, dass der Angeklagte das Fahrzeug seines Verwandten als Waffe gegen den Polizisten eingesetzt hatte. Deswegen ging man nun nicht mehr von einem versuchten Totschlag aus, sondern von einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Das Landgericht verwies daher den Fall an das Schöffengericht beim Amtsgericht Marl und das verurteilte den 23-Jährigen polizeibekannten Straftäter zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Als Bewährungsauflage soll der Verurteilte 150 Sozialstunden ableisten und ein Antigewalttraining absolvieren.

Der Verurteilte nannte das Zusammentreffen mit seiner Ex-Freundin um 19 Uhr zufällig und seine spätere halsbrecherische Flucht eine Kurzschlusshandlung. Offenbar glaubte das Gericht dieser Schilderung.

Das Gericht sprach dann auch von einer “allerletzten Chance”, was von den anwesenden Polizisten im Sitzungssaal, die ihren damals schwer verletzten Kollegen mit ihrer Anwesenheit unterstützten, unisono mit einem Kopfschütteln quittiert wurde.