Gerichtsurteil zu Tattoos: Polizei muss “gesellschaftlichen Wandel” berücksichtigen

27. August 2017 at 9:24

Gerichtsurteil zu Tattoos: Polizei muss "gesellschaftlichen Wandel" berücksichtigen

Bild: Steve Remesch

Tattoos bei Polizisten, zudem auch noch dann, wenn sie unter der Uniform heraus schauen? Das ist in Deutschland immer noch kaum vorstellbar und wir reden hier nicht von Tattoos, die fragwürdig in ihrer Aussage sind. Überwiegend gilt in den Ländern und beim Bund, dass ein Tattoo akzeptiert wird, wenn es durch die Uniform verdeckt wird.

Vor einiger Zeit hatten wir unsere Leser auch dazu befragt und der weitaus überwiegende Teil hatte kein Problem damit, wenn Polizisten im Dienst Tattoos im sichtbaren Bereich zeigen. Unser Bild zeigt, dass es z.B. in Luxemburg kein Problem ist, öffentlich und in Uniform Tattoos zu zeigen.

Die Vorstellung, Tätowierungen gehörten zu Seefahrern und Kriminellen scheint heutzutage überholt. Tatsächlich?

Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man das Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts (VG) Düsseldorf vor ein paar Tagen beachtet. Das VG entschied, dass ein Bewerber für den Polizeidienst nicht mehr allein auf Grund eines großflächigen Tattoos abgelehnt werden darf.

Der Antragsteller hatte sich in Nordrhein-Westfalen für die Einstellung in den Polizeidienst in diesem Jahr beworben. Ohne weitere Prüfung vom LAFP (Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten) war er auf Grund eines Löwenkopftattoos, dass sich auf seinem Unterarm befindet, abgelehnt worden. Man hatte zwar kein Problem mit dem Motiv selbst, aber man sah die Autorität durch das Tattoo gefährdet.

Die Entscheidung fiel aufgrund eines Erlasses des Nordrhein-Westfälischen Innenministeriums, wonach großflächige Tätowierungen im sichtbaren Bereich einen absoluten Eignungsmangel des Bewerbers darstellen. Der sichtbare Bereich wäre der, der beim Tragen der Sommeruniform erkennbar ist.

Nun reichte der Bewerber vor der 2. Kammer des VG Düsseldorf einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz ein. Die Richter entschieden, dass auch die Polizei den “gesellschaftlichen Wandel” tolerieren müsse und solche Tattoos kein Grund zum Ausschluss mehr sein dürfen.

Damit widerspricht das VG ausdrücklich dem Erlass des Innenministeriums und zeigt offenbar ein moderneres Denken als der oberste Dienstherr in NRW. Das VG führte hierzu aus, dass es keine Belege dafür gäbe, dass die Bevölkerung einem tätowierten Polizisten nicht vertrauen könnte, auch wenn Teile der Bevölkerung großflächige Tattoos unästhetisch und unpassend fänden.

Große Tattoos, gerade an den Armen, seien heute keine Seltenheit mehr und deuteten auf einen gesellschaftlichen Wandel hin. Der Dienstherr müsse dies bei der Einstellung junger Bewerber in den Blick nehmen. Die Ablehnung eines Bewerbers aufgrund der Gestaltung der Tätowierung (z.B. gewaltverherrlichende Motive) sei allerdings weiterhin zulässig, so das VG.

Gegen den Beschluss kann noch beim Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen in Münster Beschwerde eingelegt werden. Ob das OVG allerdings anders als vor drei Jahren entscheiden wird, bleibt abzuwarten.

VG Düsseldorf, Beschl. v. 24.08.2017, Az. 2 L 3279/17

Was meint ihr dazu? Darf man Bewerber wegen sichtbarer Tattoos ablehnen? Und wie sieht das bei denen aus, die schon Polizisten sind?