Leserbrief von Anke: Was von zukünftigen Polizisten erwartet wird und was ich erwarte

19. August 2017 at 20:00

Leserbrief von Anke: Was von zukünftigen Polizisten erwartet wird und was ich erwarte

“An alle:

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Person und weil ich sonst platze vor Wut, mache ich mir hier noch einmal Luft.

Heute Morgen im Fernsehen gesehen:
Die Polizei will zum wiederholten Mal die Standards bei ihren Einstellungs- bzw. Eignungstests senken, da sie offenbar keine Bewerber finden, die das Diktat, den Aufsatz, die Logik- und Merktests bewältigen können.

Für meinen Geschmack war es zwar übertrieben, nur noch Abiturienten für den Polizeidienst zuzulassen, da hätte es ein Realschulabschluss, oder ein guter 10 b Abschluss der Hauptschule sicher auch getan, aber sei es drum. Inzwischen ist es aber offensichtlich, dass sich auch die Abiturienten kaum noch selbstständig die Schuhe zubinden können, ohne bei Mami und Papi nachzufragen, ob sie das auch dürfen. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

Erst wurden Abschlüsse von Real- und Hauptschulen wieder für die Tests zugelassen, jetzt sollen gar die schriftlichen Tests vereinfacht werden, damit es weiterhin Polizeischüler gibt?

Liegt es daran, dass keiner, der was im Kopf hat, mehr zur Polizei will, oder liegt es daran, dass eine ganze Generation der staatlich verordneten Verdummung anheim gefallen ist?
Mir kommt das kalte Grauen, wenn ich mir vorstelle, diese Versuchskaninchen des hochgelobten Spaß- und Spiel-Lernsystems sollen einen Bericht schreiben, ein Protokoll aufnehmen, oder bei einem Verkehrsunfall einen Bremsweg abmessen. Geschweige denn, dass sie nach den Bremsspuren eine Geschwindigkeit berechnen sollen…

Ich habe diesen Test zweimal durchlaufen. Beide Male habe ich in den schriftlichen Tests die volle Punktzahl erreicht. Beim ersten Mal war ich sechzehn Jahre alt und bin durch ein formelles Versehen eingeladen worden, da ich noch zu jung für den Dienst befunden wurde. Beim zweiten Mal war ich zweiundzwanzig, Mutter von zwei Kindern und leider für mein Gewicht ca. 8 cm zu klein. Der Amtsarzt hat mich nicht zum Sporttest zugelassen, für den ich wochenlang trainiert hatte – und den ich auch locker bestanden hätte.

Es kann doch nicht sein, dass demnächst nur noch tumbe Sportskanonen in Uniform die Straßen sicherer machen sollen. Mir fehlen für diese Art der Kurzsichtigkeit die Worte.
Natürlich schmerzt es einen Bewerber, dem gesagt wird, dass er für einen bestimmten Beruf nicht geeignet ist. Wenn sich nichts Wesentliches an diesen Tests geändert hat, sind sie nicht unüberwindbar, geschweige denn besonders anspruchsvoll.

Statt die Tests noch weiter im Niveau zu senken, sollte man darüber nachdenken, die Bezahlung der Polizisten deren Leistungen anzupassen, die Ausstattung der Polizei den Notwendigkeiten anzugleichen und darüber hinaus die Kompetenzen der Polizisten nicht noch weiter einzuschränken. Es wäre notwendig, diesen Staatsorganen den Rücken zu stärken, dafür zu sorgen, dass eindeutig überführte Verbrecher, die von der Straße geholt werden, auch von der Straße wegbleiben. Es darf nicht sein, dass dieser Beruf zu einem Abladeplatz von geistig Minderbemittelten verkommt, nur weil die Cleveren unter diesen Voraussetzungen nicht mehr bereit sind, ihr Leben bei jedem einzelnen Einsatz aufs Spiel zu setzen.

Deutschland schäm dich! Du erwartest Hochleistung, bist aber nicht bereit, die Grundvoraussetzungen dafür zu schaffen.

Sinnvolle, zeitgemäße und konkurrenzfähige Bildung ab dem ersten Schultag und angemessene Entlohnung für Menschen, von denen unser Leben abhängen könnte.

Liebe Grüße
Anke”

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Die Autorin ist uns namentlich bekannt.