Leserbrief von Frank: Warum ich Polizist wurde?

4. August 2017 at 19:19

Leserbrief von Frank: Warum ich Polizist wurde?

“Naja, ich war 15 Jahre alt, da wusste ich noch nicht was ich werden will. Hatte keine Ahnung. Bis zu diesem einen Tag, der alles verändert hat.

Kurz vor Weihnachten, 12 Jahre ist es nun her, standen zwei Polizisten vor unserer Tür. Meine Mutter stand damals in der Tür und fing direkt an zu weinen als sie die beiden sah. Mein Vater und mein Bruder stützten meine Mum und wir gingen alle zusammen in das Wohnzimmer.

Die zwei Beamten teilten uns mit, dass es einen schrecklichen Vorfall gab. Meine Schwester hatte Suizid begangen.

Sie versuchten es uns so schonend wie nur möglich beizubringen. Was ich nie vergesse, dass beide damals auch Tränen in den Augen hatten. Die beiden saßen über Stunden bei uns, obwohl sie längst Feierabend hatten. Es sollte ihr letzter Einsatz an dem Tag sein. Meine Mum sagte immer wieder, dass doch ihre Familien zuhause auf sie warten würden, dass wir klar kommen würden. Aber den zweien war es so wichtig bei uns zu bleiben, bis die Mitarbeiter des KIT vor Ort waren.

Ich war so fasziniert von den beiden, wie sie mit uns umgingen. Wie herzlich sie waren. Da wusste ich, ich wollte so werden wie sie. Menschen helfen, ihnen beistehen. Da wuchs zum ersten Mal der Wunsch in mir Polizist zu werden.

Einige Tage danach schauten die zwei Beamten bei uns vorbei und wollten sich erkundigen wie es uns geht. Ich glaub, nach der Reaktion der zwei, dass ich, bei all der Trauer, mit leuchtenden Augen in der Tür stand als ich sie sah. Sie lächelten beide. Ich löcherte sie mit Fragen, die sie mir beantworteten. Sie gingen noch weiter und luden mich für den nächsten Tag in die Dienststelle ein.

Was ich natürlich nicht abschlug, sondern dankend und freudig annahm. Da war dann mein Wunsch besiegelt. Ich wollte Polizist werden, egal was kommt und so biss ich mich durchs Abi und durchs Studium.

Jetzt bin ich mittlerweile seit über acht Jahren dabei und bereue meine Berufswahl nicht einen Tag. Der Beruf hat mich sicherlich verändert. Vieles ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auf vieles kann man in der Ausbildung nicht vorbereitet werden, man lernt auf der Straße.

Man legt sich ein dickeres Fell zu, muss man, sonst geht man kaputt. Aber was ich mir geschworen habe, dass ich nie meine Menschlichkeit, meine Emotionen verlieren möchte. Wenn dieser Fall eintreten würde, würde ich diesen Beruf aufgeben.”

—————–

Der Autor ist uns namentlich bekannt.