Leserbrief von Tom: Wie man den Polizeiberuf attraktiver machen könnte

3. August 2017 at 20:35

Leserbrief von Tom: Wie man den Polizeiberuf attraktiver machen könnte

“Bezug nehmend zu dem Beitrag Personalmangel bei der Polizei, sehe ich den Personalmangel nicht alleinstehend, sondern sehe eine starke Verbindung zum Thema Attraktivität/Besoldung.

Die Polizeien brauchen, und das ist schon seit vielen Jahren meine Meinung, eine Reform in Bezug auf Laufbahn und Besoldung, um den Beruf einerseits attraktiver zu machen und andererseits endlich die Besoldung an die Anforderungen des Berufes anzugleichen.

Der Beruf des Polizisten hat grundsätzlich für viele erstmal eine gewisse Attraktivität aus den verschiedensten Gründen. Die Besoldung bzw. deren Höhe und die Laufbahnmöglichkeiten gehören da aber wohl eher nicht so stark dazu.

Reich wird man als Polizist nicht und das ist auch ok so, aber die Besoldung sollte so sein, dass sie im Einklang mit den an diesen Beruf gestellten Anforderungen steht. Meiner Meinung nach steht sie dies jedoch in keinster Weise.

Der Personalmangel ist eine Sache. Diesen auszugleichen und meiner Meinung nach diesen unter dem Strich eben nicht nur auszugleichen, sondern auch erheblich zu erhöhen, muss umgesetzt werden.

Mein Vorschlag dahingehend, um Personal in hohem Umfang zu generieren und dies auf einer qualitativ sehr hohen Ebene, bezieht sich sowohl auf die Landespolizeien als auch auf die Bundespolizei, unabhängig, ob es jeweils die dreigeteilte oder die zweigeteilte Laufbahn gibt.

Mein Vorschlag beinhaltet die Abschaffung der Laufbahnhürden zwischen mittlerem und gehobenen Dienst und damit quasi die Schaffung eines fließenden Übergangs zwischen diesen beiden Laufbahnen.

Es sollte keine festen Laufbahnen mehr geben, außer zum höheren Polizeidienst und es sollte die Wiedereinführung der Regelbeförderung geben.

Wie folgt stelle ich mir das vor.

  • Die Einstellung, überall, im Amt Polizeimeisteranwärter (PMA).
  • Nach der Ausbildung Ernennung zum Polizeimeister (PM, A7).
  • Beförderung zum Polizeiobermeister (POM, A8) nach spätestens 8 Jahren (Regelbeförderung).
  • Nächste Beförderung nach spätestens 10 Jahren, allerdings nicht zum Polizeihauptmeister (PHM, A9) sondern zum Polizeikommissar ohne Führungsaufgaben (PK, A9) in den gehobenen Dienst. Dies darum, weil man dadurch zum Einen die Kosten für ein Aufstiegsverfahren spart und es darüber hinaus keine Aufstiegskandidaten mehr gibt, die für die Zeit des Aufstieges in ihren jeweiligen Einheiten fehlen.
  • Nächste Beförderung nach wiederum spätestens 10 Jahren zum Polizeioberkommissar ohne Führungsaufgaben (POK, A10).
  • Nächste Beförderung zum Polizeihauptkommissar ohne Führungsaufgaben (PHK, A11) erfolgt dann spätestens nach weiteren 12 Jahren.
  • Frühere Beförderungen in das nächst höhere Amt sind generell nach dem Leistungsprinzip weiterhin möglich.
  • Für Führungsaufgaben ab den Ämtern des gehobenen Dienstes (PK, A9 ff.) erfolgen durch Qualifikation in Lehrgangsform und auch fachspezifisch. Dies erlaubt wesentlich kürzere Lehrgangszeiten und somit eine schnellere, gezieltere und kostengünstigere Qualifizierung.
  • Eine weitere Beförderung zum Polizeihauptkommissar mit Führungsaufgaben (PHK, A12) erfolgt dann durch ein Aufstiegsverfahren, ebenso wie der Aufstieg in den höheren Polizeidienst.

Die vorgenannten Punkte gehen einher damit, dass jedes Statusamt im Grundgehalt angehoben werden muss.

Ich schlage hier vor, dass der Polizeimeister (PM, A7) im Grundgehalt angehoben wird auf das Grundgehalt des jetzigen Polizeihauptmeister (PHM, A9 mittlerer Dienst). Dies wird entsprechend in den jeweiligen Statusämtern fortgeführt, sprich der Polizeiobermeister bekommt dann das Grundgehalt, das heute ein Polizeioberkommissar bekommt etc. etc.

Die Bestandsbeamten heute könnte man dann wie folgt in dieses neue System eingliedern.

Ein Polizeimeister bleibt zunächst Polizeimeister, wird aber bei der Beförderung gem. seiner Standzeit bei der Beförderung zum Polizeiobermeister bevorzugt. Heutige Polizeiobermeister (POM, A8) bleiben ebenfalls Polizeiobermeister jedoch mit der Besoldung des heutigen Polizeioberkommissars (POK, A10).

Nun kommt der fließende Übergang vom mittleren Dienst in den gehobenen Dienst:

  • Heutige Polizeihauptmeister (PHM, A9 mittlerer Dienst) werden umgewandelt zum Polizeioberkommissar ohne Führungsaufgaben mit der Besoldung des heutigen Polizeihauptkommissars (PHK, A11).
  • Heutige Polizeihauptmeister mit Zulage werden zu Polizeihauptkommissaren ohne Führungsaufgaben mit dem Grundgehalt des heutigen Polizeihauptkommissars (PHK, A12).
  • Heutige Polizeikommissare und Polizeioberkommissare, die keine Führungsaufgaben haben (Gruppenführer/Gruppenleiter/Dienstgruppenleiter etc.) bleiben in ihrem Statusamt jedoch mit der angepassten, also höheren Besoldung.

Der Aufstieg in den höheren Dienst ist frühestens nach erreichen des Statusamtes Polizeikommissar möglich. Dies sichert, dass ein Aufsteiger bereits über eine längere Praxiserfahrung verfügt und auch Lebenserfahrung gesammelt hat.

Durch dieses System würde man meiner Meinung nach gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

  1. Die Ungleichheit zwischen den einzelnen Bundesländern und dem Bund würden beseitigt. Bezahlung nach Kassenlage würde wegfallen.
  2. Die Attraktivität für Berufsanfänger würde erheblich gesteigert und die Qualifikation über das Abitur würde in den Ländern mit zweigeteilter Laufbahn wegfallen, da Bewerbung auch wieder mit der mittleren Reife möglich wäre.
  3. Die Schwerfälligkeit für den Übergang in die nächst höhere Laufbahn (mittlerer -> gehobener Dienst) fällt weg, wodurch einerseits personelle Ressourcen geschont und andererseits Kosten eingespart werden.
  4. Der Beruf des Polizisten würde endlich entsprechend der Anforderungen bezahlt, was dann auch die Wertschätzung für den Beruf zeigen würde.
  5. Ungerechtigkeiten, die sich durch die Beurteilungssysteme ergeben, würden durch Regelbeförderung minimiert.
  6. Die Perspektiven für Polizisten in ihrem Beruf auch aufsteigen zu können würden erheblich verbessert.

Dies alles wird selbstverständlich Geld kosten. Insgesamt würde hierdurch die Polizei teurer. Aber, wer Qualität haben will, muss diese Qualität auch bezahlen und wer die innere Sicherheit stärken will, schafft dies nicht über Lippenbekenntnisse und Absichtserklärungen.

Er schafft dies nur, wenn er den Beruf des Polizisten auch attraktiv gestaltet und dies beinhaltet zu einem hohen Grad auch die Entlohnung.

Wir Polizisten leben nicht von Luft und Liebe. Wir leisten einen schweren Job, der ein hohes Maß an persönlicher Einschränkung erfordert, ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit, ein umfangreiches Fachwissen, eine hohe seelische und körperliche Belastung und den Verzicht auf viele Dinge, die für den Bürger normal sind. Also muss man uns auch endlich dementsprechend dafür bezahlen.

Davon sind wir leider immer noch meilenweit entfernt und dann sollte man sich auch nicht darüber wundern, wenn die Qualität irgendwo auch leidet.”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt. Der Leserbrief gibt die persönliche Meinung des Autors wieder, die wir uns nur auf Grund der Veröffentlichung nicht zu eigen machen.