Polizeihauptmeister Joe Weber: Der Polizist, der zweimal den Kopf hinhielt

6. August 2017 at 17:41

PHM Joe Weber von der Frankfurter SOKO (Sonderkommission) Mitte wurde hart vom Schicksal getroffen. Zweimal wurde ihm in den Kopf geschossen. Nach dem zweiten Mal war nichts mehr wie es einmal war, seit 26 Jahren ist er aufgrund einer halbseitigen Lähmung an den Rollstuhl gefesselt.

Der erste Mordversuch ereignete sich am 8. Oktober 1981. Joe Weber war damals 26 Jahre alt und Marathonläufer. Nach einer Personenkontrolle verfolgte die SOKO Mitte einen 33-jährigen Tunesier. Die Polizisten können ihn stellen, doch im Gerangel entreißt der Täter dem Beamten die Waffe und schießt ihm ins Gesicht. Weber hat Glück im Unglück: Das Projektil verbog sich in einem mit Metall gefüllten Zahn und blieb im Unterkiefer stecken.

Der zweite Mordversuch ereignete sich am 22. Juli 1991, also fast zehn Jahre später, bei der Kontrolle eines verdächtigen PKW. Der Kollege von Joe Weber musste den zivilen Streifenwagen verkehrsbedingt an den Straßenrand fahren. In diesem Moment zieht der 24-jährige Fahrer einen Revolver 38 spezial aus dem Hosenbund und schießt Weber zweimal in den Kopf. Webers Kollege wird in die Schulter getroffen. Trotzdem kann der verletzte Beamte die Beschuldigten überwältigen und festnehmen. Hintergrund des versuchten Mordes: Eine Verdeckungstat im Drogenmilieu, im Kofferraum befand sich noch eine abgesägte Pump-Action.

Weber wurde nach der Einlieferung ins Krankenhaus sofort notoperiert. Er bleibt jedoch halbseitig gelähmt und sitzt seither im Rollstuhl. Das Land Hessen übernahm einen barrieregerechten Anbau mit einem zusätzlichen Zimmer und Bad an seinem Mainzer Wohnhaus, von wo aus er direkt den Garten erreichen kann. Seither wird er von seiner Ehefrau Maria versorgt, die sich zudem um die fünfjährige Tochter kümmert.

Auch nach 26 Jahren wird der Kollege nicht vergessen und der Verein Hilfe für Helfer e.V. hat bei der Familie nachgefragt was dringend benötigt werde. Bei einem Gespräch stellte sich heraus, dass man Joe Weber mit einem neuen Spezialrollstuhl helfen könnte. Auch ein neuer Gartenpavillion würde helfen, da Weber sich sehr gerne im Garten aufhält.

Joe Weber hat sich sehr gefreut, nachdem ihm Rollstuhl und Pavillon formal von der Vereinsvorsitzenden Hildegard Becker-Toussaint, leitende Oberstaatsanwältin a.D. bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, und Karl-Heinz Reinstädt, Präsident des Technikpräsidiums, „übergeben“ wurden: 26 Jahre nach dem Schicksalsschlag hat man ihn nicht vergessen.

Vor dem letzten Mordversuch lief Weber Marathon mit einer Bestzeit von 2:41 Stunden. „Damals, mit 36 Jahren, war es mein Ziel, im Ruhestand einen Ultramarathonlauf zu bewältigen“, so Weber.

Danke an den Verein, dass sie Joe diesen Wunsch erfüllt haben! Wir wünschen Joe Weber und seiner Familie alles erdenklich Gute. Du bist und bleibst immer ein Teil unserer #Polizeifamilie! ⚫️🔵⚫️