Exemplarisch: “Respektvoll” Flaschen auf Polizisten geworfen

14. September 2017 at 19:46

Exemplarisch: "Respektvoll" Flaschen auf Polizisten geworfenBei dem folgend geschilderten Fall geht es um den G20-Einsatz in Hamburg, eine Gerichtsverhandlung und dessen Verlauf, der exemplarisch für viele andere steht. Zumindest aus Sicht von uns Polizisten – und das mag eine sehr persönliche sein – steht der Vorfall und die justizielle Aufarbeitung beispielhaft, wobei wir ausdrücklich das Urteil selbst nicht kritisieren möchten.

Ein junger Mann war beim G20-Gipfel in Hamburg dabei. Der Name tut nichts zur Sache, nur das Alter sei erwähnt. Der junge Mann ist gerade 20 Jahre alt geworden und war zur Tatzeit 19.

Am 8. Juli schloss sich der Mann einer Gruppe von zehn bis 15 Leuten an. Er sei mit Freunden nach Hamburg gekommen. Man sei zuerst Essen gegangen und dann haben man sich den G20-Gegnern angeschlossen. Dabei räumt der junge Mann ein, dass er nicht einmal weiß, was G20 überhaupt bedeutet und um was es geht.

“Ich wusste nicht genau, was G20 ist, sondern nur dass viele Politiker kommen, auch Putin”, sagte der Zwanzigjährige vor Gericht aus. Im Radio habe man gehört, dass viel los sei.

Er hatte sich mit einer Maske vermummt, auf der ein Totenkopf prangte. Er warf mehrere Flaschen auf Polizisten, mit zwei Flaschen traf er diese auch am Einsatzhelm. Auch habe er den Stinkefinger den Beamten gezeigt: “Warum, weiß ich nicht”, tat er unwissend.

Der junge Mann war noch am selben Tag festgenommen worden und saß seit dem in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wurde ihm schwerer Landfriedensbruch und versuchte gefährliche Körperverletzung und die kam nun vor dem Jugendschöffengericht zur Verhandlung.

Laut den eingesetzten Polizisten, drei von ihnen wurden vor Gericht gehört, sei der Zwanzigjährige eine treibende Kraft gewesen. Er habe als erster dieser Gruppe mit Flaschen geworfen und die anderen aufgestachelt es ihm gleich zu tun. “Kommt schon, das sind nur Bullen”, habe er gerufen. Auch habe er sich sichtlich gefreut, als einer der Flaschen am Einsatzhelm eines Polizisten zerbrochen war.

Vor Freunden habe er mit der Tat geprahlt. “Er tat das mit geschwellter Brust”, hieß es vor Gericht. Das Gericht verurteilte den polizeibekannten Zwanzigjährigen zu 15 Monaten Jugendstrafe mit Vorbewährung. Nur einen Monat nach seiner vorherigen Gerichtsverhandlung hatte er diese Tat verübt.

“Ich bin ein netter Junge. Ich habe Respekt”

soll er vor Gericht ausgesagt haben. Dies konnte selbst die Richterin nicht ernst nehmen und fragte ihn: “Warum haben Sie das an diesem Abend nicht gezeigt?”

Zwar sah es das Gericht als erwiesen an, dass der junge Mann vier Flaschen auf Polizisten warf und zwei Flaschen diese auch trafen. Aber das mit der treibenden Kraft nahm das Gericht den aussagenden Polizisten nicht ab. “Sie haben dazu beigetragen, dass das Sicherheitsgefühl in der Stadt erheblich beeinträchtigt wurde”, sagte die Richterin bei Urteilsbegründung. Und der Mann habe den Polizeibeamten “jeglichen Respekt abgesprochen”.

Die Untersuchungshaft sei die Hölle für ihn gewesen, freute sich der junge Mann nach der Verhandlung, denn er muss vorerst nicht wieder ins Gefängnis.

Warum dieser Vorfall exemplarisch ist?

Nun, er zeigt, wie sich das polizeiliche Gegenüber manchmal verhält. Später sitzen die Straftäter dann sauber gekleidet, reumütig (tatsächlich oder vorgespielt) vor Gericht und zeigen sich dort von ihrer besten Seite. Und selbst wenn es Wiederholungstäter oder polizeibekannte Personen sind, kommt irgendwo eine positive Sozialprognose her.

Immer wieder ist zu lesen, dass den Polizisten vor Gericht eher geglaubt würde als jedem anderen Zeugen oder Angeklagten. Dieser Verhandlungsverlauf zeigt das eindeutige Gegenteil. Selbst drei Polizisten, die aussagten, dass der junge Mann die treibende Kraft war, wurde vom Gericht ausdrücklich nicht geglaubt. Ansonsten wäre dies als erwiesen angesehen worden und hätte sich im Urteil niedergeschlagen.

Genau das erleben tägliche Polizisten, auf der Straße im Einsatz und danach im Gerichtssaal. Natürlich gibt es auch gegenteilige Beispiele, als wir Ende August über ein anderes Gerichtsurteil zum G20-Einsatz berichteten und der dortigen Richter sagte: “Polizisten sind kein Freiwild für die Spaßgesellschaft” und das Urteil entsprechend ausfiel.