Leserbrief von Volker: Härtere Strafen auch bei minderschweren Straftaten

11. September 2017 at 21:36

Leserbrief von Volker: Härtere Strafen auch bei minderschweren Straftaten

“Es wird ja immer wieder mal behauptet, das Polizisten ethnische Gruppen gezielt, vermehrt kontrollieren und werden oft Rassisten geschimpft. Diesem muss ich hier mal kräftig widersprechen.

Ich bin ein typisch deutsches, fettbäuchiges “IT-Kellerkind” mit blasser Haut und einem oftmals grimmigem Gesichtsausdruck, welcher jahrelangen Schmerzen aufgrund diverser Erkrankungen geschuldet ist und werde grundsätzlich kontrolliert, wenn die Polizei irgendwo kontrolliert.

Oftmals auch ohne jeden für mich ersichtlichen Grund und ich muss zugeben, das ich davon auch ein wenig genervt bin. Insbesondere dann, wenn Polizisten meinen mich gleich anfassen, bzw. fixieren zu müssen, ohne das ich dazu einen Anlass gab.

Allerdings muss ich hier auch mal eine Lanze für die Polizei brechen, denn ich wohne jetzt seit über zehn Jahren in einer Gegend, in welcher eine Hohe Kriminalität herrscht und es fast tagtäglich zu Polizeieinsätzen kommt. Es vergeht hier wirklich fast kein Tag ohne das unten vor dem Haus Blaulichter blinken.

Von Schlägereien, über Messerstechereien, bis hin zu Schießereien habe ich hier schon wirklich alle Nuancen von Straftaten erlebt und als Polizist würde ich Einsätze verweigern, die mich in diese Gegend führen.

Ich erlebe es ja fast jeden Tag, das die Polizei hier unten an der Trinkhalle oder an der Spielhalle Einsätze hat oder das wieder und wieder nach Straftätern gefahndet wird. Jedes mal begeben sich die Polizisten hier in Gefahr.

Immer wieder sind es die selben Straftaten und auch die selben Täter, mit denen sich die Polizei hier herumschlagen muss. Ausgesprochene Platzverweise werden für gerade mal ein bis zwei Minuten eingehalten. Anweisungen der Polizisten werden ignoriert.

So bald hier auch nur ein Blaulicht blinkt, macht sich die halbe Wohngegend auf die Beine und es kommt zu Menschenansammlungen und Pöbeleien, denen die Polizisten oftmals nur hilflos gegenüber stehen. Selbst Kinder haben sich das Verhalten der Erwachsenen abgeschaut und bespucken die Polizisten.

Jeder halbwegs normale Mensch würde in solchen Situationen anfangen sich zu wehren und dabei gegebenenfalls nicht mehr auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel achten. Die Polizisten wissen aber auch, dass in dieser Gegend jedes Wehren zu einer Eskalation führen würde und bleiben erstaunlich ruhig und sachlich.

Klar machen sich hier in der Gegend viele lustig, wenn für eine Schlägerei zwischen zwei Personen gleich sechs bis acht Streifenwagen angefahren kommen, aber mal ganz ehrlich, wer möchte riskieren, dass der Mob, der sich ansammelt, sich einmischt, wenn man nur zu zweit vor Ort ist.

Das große Problem ist nicht die Polizei, die hier einen fast aussichtslosen Kampf führt, sondern die gesetzgebende Gewalt, die den Polizisten nicht genug Spielraum einräumt um Straftäter lange genug einsperren zu dürfen.

Mich würde es auch ankotzen immer und immer wieder die selben Personen oder Personengruppen trennen und mitnehmen zu müssen, Wenn diese nur wenige Stunden oder Tage später wieder an der selben Stelle ärger machen.

Meiner Meinung nach müsste die gesetzgebende Gewalt hier nachbessern und bei z.B. einem dritten Verstoß auch bei minderschweren Straftaten härtere Strafen verhängen, denn nur wenn Straftäter auf lange Sicht aus diesem Kreislauf entfernt werden, könnte sich die Gewaltspirale an solchen Brennpunkten wie hier legen.

Alkohol- und Drogenkonsum sollte auch nicht mehr strafmildernd bewertet werden, denn ich habe es hier schon erlebt, dass sich die Leute noch relativ nüchtern angingen und erst, als die Polizei mit Blaulicht anrückte, der harte Alkohol die Runde machte und man anfing sich auf Ex die Kante zu geben, um sich darauf hinterher rausreden zu können.

Auch wenn ich zugegebener Maßen, durch die vielen unnötigen Kontrollen, denen ich bereits ausgesetzt war, nicht gerade ein Fan der Polizei bin, muss ich sagen, dass ich Respekt vor den Polizisten habe, die hier den fast ausweglosen Kampf führen und für ihren Job hier ihr Leben riskieren. Immer und immer wieder.”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt. Der Leserbrief gibt die persönliche Meinung des Autors wieder.