Tag der Sachsen: Was genau ist das Problem?

8. September 2017 at 21:14

Kürzlich fand der Tag der Sachsen statt. Jeder kennt diese Landesfeste, bei der ein Bundesland sich und seine Bürger feiert, an dem viele Aus- und Darsteller mit den Menschen auf Tuchfühlung gehen. Man soll Spaß haben und sich besser kennen lernen.

Auf dem Tag der Sachsen gab es offenbar Misstöne. Anders ist der Kommentar im Görlitzer Anzeiger (Fotos unter dem Link) nicht zu verstehen. Zwar stellt der unbekannte Autor klar, das er nicht die Polizei kritisiere, denn um deren Ansehen gehe es ihm. Er prangere die “unbedarften Geister, die sich diese Auftritte ausgedacht haben” an. Dass dies ein Trugschluss ist (vielleicht nicht der Einzige), wird sich im Folgenden zeigen.

Aber was genau war passiert?

Auf eben diesem Landesfest gibt es auch immer eine sogenannte Blaulichtmeile. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Bundeswehr, THW und weitere HiOrgs (Hilfsorganisationen) stellen sich und ihre Ausrüstung vor. Natürlich gehört hier auch eine gewisses Maß an Eigenwerbung dazu, sprich, man möchte sich dem Bürger vorstellen, seine gute Seite zeigen und auch etwas Nachwuchswerbung betreiben. Spaß jedenfalls ist immer mit von der Partie und so soll es auch sein.

Natürlich gehört hier auch das Polizeimotorrad dazu und Kinder lieben die Fotostunde auf dem silberblauen Motorrad, mit dem blitzenden Blaulicht. Dass aber Kinder für dieses Event eine Polizeiuniform tragen, sei unerträglich, meint der Autor des Görlitzer Anzeigers, und spannt einen fragwürdigen Bogen.

Er vergleicht lachende Kinder auf einem Polizeimotorrad in einem demokratischen Land mit Kindersoldaten aus fernen Ländern, indem er fragt:

“Wie weit ist der Weg von Kindern in Polizeiuniform zu Kindern in Soldatentracht und bis zur Kadettenanstalt?”

Ein lachendes Mädchen in Polizeiuniform, das gehe auf gar keinen Fall. Und das nicht nur aus diesem Grund, sondern auch, weil “Polizei Polizeigewalt, von der Weisungsbefugnis bis hin zur Gewalt gegen Menschen” benötige. Das sei zwar in Ordnung, habe aber nichts in Kinderhänden zu suchen.

Aber das war nicht das einzige Problem, welches der Autor zum Thema Polizei auf dem Tag der Sachsen hatte. Eine “Akrobatiktanzgruppe aus jungen Frauen in schick über dem Bauch verknoteten Polizei-Uniformblusen, weiter unten schwarz gekleidet” waren das nächste Problem.

Die Damen hatten ausgediente Polizeiuniformhemden in gelb angezogen und zeigten ihr tänzerisches Können. Das Problem des Autors:

“In ähnlicher Farbkombination lief die Hitlerjugend herum und wurde instrumentalisiert.”

Puh, ob eine Farbkombination zum Vergleich mit einer vor 70 Jahren (zum Glück!) untergegangenen Diktatur reicht? Ist es nicht irgendwann gut damit, nur weil etwas damals mal so oder so ähnlich war, gleich die Nazikeule zu schwingen?

Einziger Kritikpunkt aus unserer Sicht wäre hier, dass die Uniformhemden noch das Wappen des Freistaates trugen. Da es sich um ein Hoheitszeichen handelt, hätte man hier lieber zu einem Fantasiewappen oder ähnlichen greifen sollen. Aber das ist dem Autor nur einen Nebensatz wert: “Dass die Bühnentanzkleidung auch noch das Wappen des Freistaats Sachsen als polizeiliches Hoheitszeichen trägt, macht den Fauxpas nicht besser.”

In seinem Fazit fragt der Autor sich, oder den Leser, oder beide: “Das alles ist an den Haaren herbeigezogen?”, und gibt sich sodann selbst die Antwort:

“Da halten wir es ausnahmsweise mal mit den Linken: Wehret den Anfängen (und der Gedankenlosigkeit)!”

Aha…

Wie ist eure Meinung dazu?