Ein Skandalvideo, welches keines war: Polizisten in Stuttgart entlastet und wieder im Dienst

1. Oktober 2017 at 21:08

Im Februar dieses Jahres machte ein Video aus Stuttgart (Baden-Württemberg) die Internetrunde. Darin zu sehen sind mehrere Polizisten, die augenscheinlich auf eine Person einschlagen. Von “Polizeigewalt” und “Prügelpolizisten” war die Rede und so machte ein vermeindlicher Skandal bundesweit die Runde, welcher letzten Endes keiner war.

Denn das Video zeigt nicht die ganze Geschichte und sollte offenbar nur zeigen, was der Zuschauer sehen sollte. Und wie immer weisen wir darauf hin, dass man solche zusammen geschnittenen Videos immer hinterfragen sollte, da man oft nicht sieht, warum die Polizisten so handeln, wie es in den Videos zu sehen ist.

Aber wie so oft sind unsere Aufrufe zur Hinterfragung vergeblich. Selbst die Polizeiführung zeigte sich entsetzt und Innenminister Thomas Strobl ging auf Distanz. Folge dieses vorgeblichen “Skandalvideos“: Vier Polizisten wurden suspendiert.

Nun, ein halbes Jahr später, steht fest, dass der Vorfall ganz anders war, als zunächst vermutet. Eigentlich ging es in der Sache um eine Unfallaufnahme, infolge dessen die Polizisten auf einen 35-jährigen Mann eingeschlagen haben sollen, mit Fäusten und mit einem Schlagstock.

Jetzt steht fest, dass drei der vier Polizisten wenig bis nichts vorzuwerfen sei. Die drei Beamten waren ihrem Kollegen zu Hilfe gekommen und mussten in diesem Moment davon ausgehen, dass sie Festnahme ihres Kollegen zurecht erfolgte. Dass einer der Polizisten mit dem Schlagstock in die Kniebeuge schlug gehörte zur trainierten Einsatztaktik, um die Person zu Boden zu bringen.

Einer der Beamten wird sich allerdings verantworten müssen. Denn wie es heißt, ging es wohl darum, dass der 35-jährige Mann der Weisung des Polizisten, die Zigarette zu löschen, nicht nachgekommen war. Als der Mann sich dann weiter weigerte, wollte der Polizist den Mann festnehmen, als es dann zu der im Video sichtbaren Szene kam. Im Raum steht hier eine Körperverletzung im Amt.

Wie es heißt, hätte der Polizist die Festnahme nicht durchführen dürfen, da zu diesem Zeitpunkt die Brandgefahr an der Unfallstelle bereits gebannt war.

Das gekürzte Video kann man sich hier noch einmal anschauen.

Ob in diesem Fall eine Festnahme gerechtfertigt wäre, lassen wir jetzt bewusst offen. Allerdings geben wir zu bedenken, dass die Verhinderung einer Brandgefahr eine präventive Maßnahme darstellt, zu der die Polizei eine rechtliche Grundlage hat.

Die Eigensicherung ist allerdings auch eine Maßnahme der Gefahrenabwehr, wenn man hierbei tätig werden muss. Und Zigaretten wurden schon öfter gegen uns Polizisten eingesetzt. Dies sollte man hierbei ebenfalls berücksichtigen.

Jedenfalls ist in diesem Fall festzustellen, dass sich öffentlich von den Polizisten distanziert wurde, diese sogar ein halbes Jahr suspendiert waren, und das in mindestens drei Fällen ohne hinreichenden Grund, Disziplinarverfahren und Beförderungssperre inklusive. Alles Nachteile wegen eines Skandalvideos, welches keines war.

Achja, bevor wir es vergessen, von der reißerischen Aufmachung der Stuttgarter Nachrichten distanzieren wir uns ausdrücklich. Die Kollegen sind keine “prügelenden Polizisten”, ihre Maßnahme war rechtens, wie ja nun festgestellt wurde.