Leserbrief von Markus: Wo ist die Solidarität mit der Polizei nach dem G20 Gipfel geblieben?

2. Oktober 2017 at 21:34

Leserbrief von Markus: Wo ist die Solidarität mit der Polizei nach dem G20 Gipfel geblieben?

“Uns Polizisten war von vornherein bewusst, dass diese Solidarität, die wir nach dem Gipfel zu spüren bekommen haben, schnell wieder vorbei ist.

Naja, was erwarten wir auch? Dass wir von bestimmten Gruppierungen gehasst werden wissen wir ja schon immer. Von denen erwarten wir eh nichts.

Dass die Solidarität der Bürger spätestens bei der nächsten Kontrolle wieder vorbei ist, war uns eigentlich klar.

Ich verfolge zum Beispiel seit langer Zeit die Seite Polizist=Mensch​ und was ich da des öfteren für Kommentare zu lesen bekomme, ist teilweise echt erbärmlich. Auch wenn man sich einmal die Zeit nimmt und die Bewertungen für diese Seite durch liest, da stellen sich einem die Nackenhaare hoch.

Da werden Polizisten als Schweine, als die schlechtesten Menschen die es gibt, als Marionetten tituliert.

Es sind Diskussionen darunter zu lesen, da kann man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich muss mir echt manchmal auf die Finger hauen, dass ich dazu nichts schreibe. Denn es bringt eh nichts. Diskussionen zu führen, ohne dass es irgendwann Beleidigungen hagelt, kaum möglich.

Was ist mit den Menschen nur los? Man kann gegensätzlicher Meinung sein, aber muss man beleidigend werden?

Dass es auch in unseren Reihen schwarze Schafe gibt, keine Frage. Aber eine komplette Berufsgruppe zu diffamieren, wenn man eine blöde Erfahrung gemacht hat, ist erbärmlich. Die meisten Polizisten üben ihren Beruf mit Herzblut aus.

Wir Polizisten sind Menschen mit Herz, in unseren Adern fließt das gleiche Blut. Wir haben Familien zuhause, die auf uns warten. Die die Hölle durchmachen, wenn wir in gefährliche Einsätze geschickt werden.

Wir haben uns an Gesetze zu halten, wir machen unsere Arbeit wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Jeder Arbeitnehmer hat einen Vertrag und Vorgaben, wie er seine Arbeit zu machen hat, wie wir auch.

Wenn man nicht einverstanden ist, was der Staat macht, greift man Polizisten an? Was hat das für einen Sinn? Glaubt man wirklich, dass sich dadurch etwas in den Köpfen der Politiker ändert? Ganz ehrlich, was für ein Schwachsinn.

Dass wir immer härter durchgreifen müssen, liegt nicht an uns. Meint ihr nicht, dass wir auch lieber ohne Helm, ohne 25 kg zusätzlich am Mann/Frau eine Demo begleiten würden? Meint ihr, es ist so leicht auf Menschen schießen zu müssen? Meint ihr es gefällt uns, uns auf dem Boden zu wälzen mit irgendwelchen Personen, die meinen uns angreifen zu müssen? Meint ihr nicht, dass es uns lieber wäre, wenn wir aus einer Kontrolle rausgehen könnten und dem Kontrollierten einen schönen Tag wünschen, mit einem freundlichen Lächeln?

Ja, wir haben uns diesen Beruf ausgesucht und nein wir jammern nicht. Kaum weisen wir mal auf Missstände hin, kommen Kommentare wie “mimimi”, “ihr habt euch doch den Beruf ausgesucht”, “keiner muss Bulle sein” usw. usw…

Wir haben das Recht, wie jeder Arbeitnehmer auch, auf Missstände hinzuweisen, uns zu beschweren. Aber wir Jammern nicht.

In keinem anderen Beruf erlebt man mehr Besserwisser, die uns unsere Arbeit erklären wollen, als bei uns Polizisten.

Wir wollen nicht euer Mitleid oder eure geheuchelte Solidarität. Wir wollen Respekt, wie ihn jeder Mensch auch selbst erwartet.”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt.