Marode Schießstände: Berlin beschließt Fonds für geschädigte Polizisten

29. Oktober 2017 at 9:56

Marode Schießstände: Berlin beschließt Fonds für geschädigte PolizistenSchon mehrfach hatten wir über die maroden Schießstände in Berlin berichtet. Nachdem festgestellt worden war, dass die Umluftanlagen unzureichend oder fehlerhaft sind und dadurch unter anderem der Pulverdampf nicht abgesaugt, sondern zum Schützen zurück geführt wurde, mussten die meisten Schießstände geschlossen werden.

Infolge der weiteren Berichterstattung wurde bekannt, dass die Berliner Polizeiführung schon seit Jahren von diesem Problem wusste, aber nichts unternommen hatte. Diese Untätigkeit führte auch zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Chemikaliengesetz, schwere Körperverletzung und Körperverletzung im Amt.

Insgesamt sollen 90 Polizisten durch die Zustände in den Schießanlagen geschädigt worden sein, einer der Geschädigten ist mittlerweile verstorben. Die Schädigung betrifft insbesondere die Schießtrainer und Angehörige der Spezialeinheiten, die ein besonders intensives Schießtraining absolvieren.

Nachdem Betroffene jahrelang erfolglos Druck machten, die Missstände zu ändern, kam nun, nach Bekanntwerden des Skandals und der öffentlichen Berichterstattung, Bewegung in die Sache. Der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses beschloss nun einen Fonds für die geschädigten Polizisten.

Der Fonds soll unbürokratische Hilfe für die Geschädigten bedeuten, wobei noch völlig unklar ist, welche Spätfolgen die eingeatmeten giftigen Pulverdämpfe haben. Dies soll die Charité untersuchen und im nächsten Jahr Ergebnisse vorlegen.

Dem Untersuchungsergebnis kamen die Berliner Abgeordneten nun zuvor. Insgesamt 13,4 Mio. Euro sind auf zwei Jahre eingeplant und finanziert. Sollte mehr benötigt werden, soll nachfinanziert werden. Innensenator Andreas Geisel machte deutlich, dass es keinen Deckel geben werde. Diese Entscheidung fiel einhellig.

Auch für die Modernisierung der Schießstände soll investiert werden. Nachdem von den 70 Schießständen nur noch elf nutzbar waren, sind es nun wieder 34. 54 sollen es bis Ende 2018 sein, was auch notwendig ist, wenn die Berliner Polizisten im kommenden Jahr neue Waffen bekommen und darin eingewiesen werden müssen. 125 Mio. Euro soll das kosten, von denen bislang aber nur 61 Mio. sicher finanziert sind.

Es ist schon traurig, dass es zum Abstellen von Gesundheitsgefahren einen öffentlichen Skandal braucht, damit die Verantwortlichen endlich die richtigen Entscheidungen treffen. Wir hoffen, dass hier nicht wieder vertuscht wird oder faule Kompromisse eingegangen werden.

Die erkrankten Kollegen haben es verdient, dass ihnen nun angemessene Unterstützung zuteil wird!