Mit den Kollegen auf Streife: Einsätze mit Kindern fallen mir am schwersten

20. Oktober 2017 at 20:47

Mit den Kollegen auf Streife: Einsätze mit Kindern fallen mir am schwersten

“Hallo aus Berlin!

Manchmal sind es nicht einmal die besonders gewalttätigen, brutalen Einsätze, manchmal ist es etwas, was Außenstehenden trivial, banal vorkommt.

So gab es eine alkoholabhängige Mutter, alleinerziehend, Mitte bis Ende dreißig, die sechs Kinder zu versorgen hatte.
Die Einsätze wegen unzulässigen Lärms häuften sich, die Nachbarn beschwerten sich über diese Frau und auch über die oft alleine gelassenen Kinder, die lärmten und auch das Haus verschmutzten.

Irgendwann hat diese Frau die Wohnung völlig zerlegt, ihre älteste Tochter erschien auf dem Polizeiabschnitt und holte uns zu Hilfe. Nun, wir haben das alles so mehr schlecht als recht geregelt, die Kinder irgendwie versorgt, die Mutter zum Ausnüchtern gebracht.

So weit, so schlecht.

Was mich allerdings am meisten erschütterte, passierte rund eine Woche später. Da erschien die älteste Tochter und teilte uns FREUDESTRAHLEND mit, daß sie nun ENDLICH ins Heim kommt, endlich Zuhause weg ist, endlich diese Mutter nicht mehr erleben muß.

Was, um alles in der Welt, muß in diesem (nach meiner Erinnerung etwa 13-14 Jahren alten) Mädchen vorgegangen sein, daß sie sich so äußert? Was hat dieses Mädchen erlebt, was hat sie erdulden müssen? Und was passiert mit all den anderen Kindern, die immer noch bei dieser Mutter aushalten müssen?

Wir wissen ja leider alle, die wir bei der Polizei sind, wie lange die Mühlen der Behörde mahlen, wie schrecklich hilflos man sich fühlt, wenn man ganz genau weiß, daß der nächste Einsatz nur eine Frage von ein paar Tagen ist.

Ich weiß, daß es weitaus schrecklichere Einsätze gibt, ich habe auch sehr viel Elend in Berlin gesehen und bearbeitet, Unfälle, Leichensachen, Schlägereien, all den üblichen Mist. Aber Einsätze, bei denen Kinder geschädigt sind, fallen mir am schwersten, deswegen erinnere ich mich auch an diesen vergleichsweise gut ausgegangenen Einsatz.

Viele Grüße aus Berlin”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt, möchte aber anonym bleiben.