Neue ballistische Schutzhelme verhindern zielgenauen Schuss mit MP

3. November 2017 at 17:30

Wie auch andere Länderpolizeien rüstet auch die Polizei in Thüringen ihre Einsatzkräfte auf. 2016 wurde die Beschaffung neuer ballistischer Schutzhelme angekündigt, um der terroristischen Bedrohung und dem möglichen Einsatz von Sturmgewehren durch den polizeilichen Gegner Rechnung zu tragen.

Für diese Schutzausrüstung muss man als Polizist eigentlich dankbar sein, denn es ist nicht selbstverständlich, dass mehrere Millionen Euro in die Hand genommen werden, um uns Polizisten besser vor Bedrohungen und Angriffen zu schützen. Wenn die Sache in diesem Fall nicht einen Haken hätte.

Denn wie sich in verschiedenen Übungen gezeigt hat, ist das Visier der neuen ballistischen Schutzhelme in Thüringen lang. Zu lang, um mit einer Maschinenpistole (MP) und herunter geklappten Visier zielgenau schießen zu können. Ist das Visier herunter geklappt, schlägt es auf der Waffe auf und kommt dem Anschlagskolben in die Quere, wenn der Schütze durch Kimme und Korn zielen möchte und verhindert so, dass man den Kopf so hinter die Zieleinrichtung kippen kann, um zielgenau schießen zu können.

Zwar ist das Visier nicht schusssicher, kann aber Splitterflug in Richtung Gesicht abwehren. Zum Schießen müsste der Polizist also das Visier hochklappen, was ja eigentlich nicht Sinn und Zweck eines Visiers sein kann.

Die Sache sorgt für Kritik aus den Polizeireihen, doch das Innenministerium beschwichtigt und teilt ganz allgemein mit: “Die neue Schutzausrüstung stellt insgesamt erhöhte Anforderungen an den Anwender im Einsatz. Diesen Anforderungen wird primär durch entsprechendes Einsatztraining Rechnung getragen.”

Auf Nachfrage, wie das Einsatztraining mit herunter geklapptem Visier aussehe, erhielt der MDR die Antwort, dass die MP eine Distanzwaffe sei und man daher auch mit aufgeklapptem Visier schießen könne. Dass die Polizisten im Ernstfall zu diesem Zeitpunkt schon unter Beschuss stehen könnten und ein herunter geklapptes Visier sehr sinnvoll sein könnte, wurde hier wohl nicht bedacht.

Derweil werden polizeintern Lösungen erarbeiten. Zwei Vorschläge existieren bereits, betreffen jedoch die MP. Lösungsansatz 1 wäre die Umrüstung mit anderen Anschlagskolben, die schräg nach unten geneigt sind. Vorschlag 2 betrifft die Zieleinrichtung, demnach würde Kimme und Korn durch eine Rotpunkt-Zieloptik ersetzt.

Wie viele MP dies betreffen würde, dazu gibt es keine Antwort. Schätzungen gehen von mindestens 300 MP aus. Warum es keinen Lösungsansatz für den neuen Schutzhelm gibt? Ganz einfach, Änderungen am Helm würden womöglich den ballistischen Schutz beeinträchtigen und könnten den Hersteller von der Garantie entbinden.