Nach beispiellosem Gewaltexzess in Düren: Schwer verletzter Polizist immer noch dienstunfähig

22. Dezember 2017 um 9:38 Uhr

Nach beispiellosem Gewaltexzess in Düren: Schwer verletzter Polizist immer noch dienstunfähig

Haupttäter zu Haftstrafe verurteilt

Im November 2016 berichteten wir über einen Vorfall in Düren (Nordrhein-Westfalen), bei dem in beispielloser Art und Weise Gewalt gegen Polizisten angewendet wurde. Verletzt wurden damals zehn Polizisten, einer davon schwer, da ihm mit einem Radmutterschlüssel ins Gesicht geschlagen wurde.

Seinen Ursprung hatte der Vorfall in einem Parkverstoß, der durch einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes geahndet werden sollte. Als dieser dann vom Fahrzeughalter und seiner Familie bedrängt worden war, rief er die Polizei.

Wir zitieren noch einmal das damalige Statement von Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel: Auf die eingesetzten Polizisten wurde “ohne Rücksicht eingetreten und eingeschlagen. Ein Beamter wurde in den Schwitzkasten genommen. Ihm wurde mit einem Radmutternschlüssel gezielt ins Gesicht geschlagen.”

Während dieses Einsatzes wurden zwei Gewalttäter festgenommen, ein dritter am folgenden Tag durch Einsatzkräfte des Spezialeinsatzkommandos. Doch der Antrag auf Untersuchungshaft wurde durch das Amtsgericht zunächst abgelehnt. Erst im Beschwerdeverfahren hatte die Staatsanwaltschaft Erfolg und für zwei Täter wurde die Untersuchtungshaft angeordnet.

Gegen die fünf Familienmitglieder, Deutsche mit türkischen Wurzeln, wurde wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.

Dieser Gewaltexzess wurde nun vor dem Landgericht Aachen verhandelt. Nach 23 Verhandlungstagen und der Anhörung von 70 Zeugen kam das Gericht zu folgendem Urteil:

Der angeklagte 47-jährige Familienvater, der nach Überzeugung des Gericht durch seine Beleidigungen und Bedrohungen dem Ordnungsamtsmitarbeiter gegenüber überhaupt erst diesen Einsatz verursachte habe, wurde wegen versuchter Nötigung und Bestechung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Den älteren Sohn (29) sah das Gericht als Haupttäter an und verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu vier Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er mit seinen Faustschlägen dem schwer verletzten Polizisten die Augenhöhle zertrümmert habe.

Das hierbei auch ein Radmutterschlüssel als Waffe benutzt wurde, war ebenfalls unstrittig. Ob allerdings der Haupttäter diesen benutzt hatte, war nicht zweifelsfrei nachweisbar, ansonsten wäre die Strafe womöglich höher ausgefallen. Die Staatsanwaltschaft hatte hier sechs Jahre Haft gefordert.

Die Verteidigung forderte Freispruch, mit der Begründung, die Polizei hätte die Eskalation verursacht. Dem entgegnete die vorsitzende Richterin: “Für wie dumm halten Sie uns eigentlich?”

Der jüngere Sohn (28) sei erst später zum Geschehen hinzu gekommen, habe sich aber dennoch sofort mit den Polizisten angelegt und drei von ihnen verletzt. Hierfür wurde der Täter wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem müssen er und sein Vater Sozialstunden ableisten.

Der schwer verletzte Polizist ist bis heute dienstunfähig und nach uns vorliegenden Information ist sein Sehvermögen immer noch stark beeinträchtigt.

Zur Höhe der Strafen möchten wir uns an dieser Stelle nicht äußern, womöglich würden wir gegen unsere eigenen Seitenregeln verstoßen.

Wir senden dem schwer verletzten Kollegen die besten Genesungswünsche und hoffen für ihn, dass er bald wieder ein normales Leben und vielleicht sogar wieder seinen Dienst antreten kann. Ihm, wie auch allen anderen Kollegen, wünschen wir, dass sie diesen schrecklichen Gewaltexzess verarbeitet haben bzw. irgendwann können.

Wir sind auch heute, ein Jahr nach der Tat, immer noch fassungslos!