Versuchter Polizistenmord: Täter von Unterföhring nicht schuldfähig

11. Dezember 2017 um 21:00 Uhr

Versuchter Polizistenmord: Täter von Unterföhring nicht schuldfähigSchon mehrfach berichteten wir über den Vorfall von Unterföhring (Bayern), wo ein Täter am 13. Juni dieses Jahres einem Polizisten die Dienstwaffe entriss und damit einer Polizistin in den Kopf schoss. Die 26-jährige Beamtin wurde lebensgefährlich verletzt und befindet sich seit drei Monaten in einer Spezialklinik in Sachsen. Ihr Gesundheitszustand ist nach wie vor unverändert.

Die Tat wurde von der Anklagebehörde als vorsätzliche Körperverletzung in Tatmehrheit mit versuchtem Mord eingestuft. Nun hat die Staatsanwaltschaft München I bekannt gegeben, dass der zum Tatzeitpunkt geistig verwirrte Täter nicht schuldfähig sei. Dies habe wohl zur Folge, dass keine Anklage erhoben werden kann, sondern lediglich eine Antragsschrift möglich sei.

Der Mann befindet sich seit der Festnahme in einer Psychiatrie. Diese Entscheidung hat damit weit reichende Folgen. Einerseits ist es damit nicht möglich, den Mann wegen dieser Tat zu verurteilen. Die Tat bleibt ungesühnt und sollte der Täter irgendwann die Psychiatrie verlassen können, gilt er als nicht vorbestraft.

Zudem sind damit keine Schadensersatzforderungen gegen den Täter möglich. Die Behandlungskosten für die Polizistin dürften notwendig, aber teuer sein. Schadensersatzforderungen setzen allerdings eine schuldhaft begangene Tat voraus, die in diesem Fall dann nicht vorliegt. Ob aktuell eine Regressübernahme durch den Staat Bayern existiert, bei der der Staat die Schadensersatzforderungen zunächst übernimmt und später, soweit möglich, beim Täter zurück fordert, ist uns nicht bekannt, wie sie bereits in ein paar Bundesländern existiert oder die Einführung zumindest geplant ist. Wenn nicht, sieht es auch hier düster für die Kollegin aus.

Eine für die Angehörigen, Freunde und Kollegen der lebensgefährlich verletzten Polizistin, die lange mit dem Leben rang, schwer verständliche Entscheidung. Sie mag rechtlich nachvollziehbar und richtig sein, menschlich und moralisch ist sie es nicht. Für Letzteres ist die Justiz allerdings nicht zuständig.

Wir senden der Kollegin auf diesem Wege weiterhin die allerbesten Genesungswünsche!