Als Blinder die Farbe erklären: Kritik an Beitrag der Polizei Regensburg zu schwer verletzten Kollegen

24. Januar 2018 at 9:30

Vor etwas über einer Woche berichteten wir von einem gewaltreichen Wochenende für die Polizei in Regensburg. Innerhalb nur einer Nachtschicht kam es dort quer über die Stadt verteilt zu vier tätlichen Angriffen auf Polizisten, bei denen zwei Beamte schwer verletzt wurden und nicht mehr dienstfähig waren. In einem Fall wird sogar wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt.

Das Social Media Team der Polizei Regensburg veröffentlichte tags darauf ebenfalls eine Schilderung dieser gewaltsamen Übergriffe, verbunden mit dem Wunsch, dass die verletzten Kollegen genesen mögen. Auf Facebook erreichte dieser Beitrag eine hohe Reichweite. Fast 7.000 Reaktionen (Likes) folgten, über 9.000 Mal wurde der Beitrag geteilt über 4.000 Mal kommentiert.

Doch tummeln sich auf Facebook nicht nur Menschen, die der Polizei wohlgesinnt sind und so kommentierten auch einige User derart, dass der Inhalt an Hetze grenzte oder sogar strafrechtlich bewertet werden muss. Dieser Beitrag wurde nun offen auf Facebook und in einem offenen Brief (den wir gerade nicht finden können) gegenüber Bayerns Innenminister Herrmann kritisiert.

Claudia Stamm, Mitglied des Landtages für die Partei MUT, kritisierte, dass das Social Media Team nicht schnell genug reagierte und die zu beanstandenden Kommentare zu lange sichtbar blieben. Stamm schreibt in ihrem Facebookprofil wörtlich: “Dafür, für solche Social Media Arbeit, sollte im bayerischen Haushalt kein Geld zur Verfügung gestellt werden!” Sie stellt also den Auftritt der Polizei Regensburg (oder gar ganz Bayerns?) komplett in Frage.

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Sehr geehrte Frau Stamm,

eine Facebookseite zu betreiben ist nicht schwer, schwieriger wird es jedoch, wenn diese Seite eine gewisse Reichweite erreicht hat und die User sehr aktiv teilnehmen. Wie die Kollegen aus Regensburg angaben, waren nahezu 400 neue Kommentare pro Stunde zu bewerten, was ein kleines Team nicht ohne weiteres leisten kann. (Wenn Ihnen das Team zu klein sein sollte, wäre es doch eine super Sache, Geldmittel für mehr Stellen bereitzustellen. Da sitzen Sie doch in der richtigen Position, genau dafür zu sorgen )

Verstehen sie nicht, Frau Stamm? Wir schon! Auch bei uns gab es den ein oder anderen Beitrag, der quasi explodiert ist (also virale Verbreitung erreichte). Die Kommentare trudeln im Sekundentakt herein und so etwas kann man einfach nicht zeitnah überschauen. Auch wir sind stets bemüht, die Kommentare zu überschauen und notfalls zu verbergen, User zu blockieren oder strafrechtliche Inhalte zu melden. Neben den üblichen Strafgesetzen haben wir uns auch Seitenregeln und die Netiquette gegeben (http://p-m.blue/regeln), weil wir um ein vernünftiges Miteinander bemüht sind und die Diskussion ausdrücklich gewünscht ist. In aller Regelmäßigkeit müssen wir auch darauf aufmerksam machen und um Einhaltung bitten.

Wir können sehr gut nachvollziehen, was die Kollegen im SMT (Social Media Team) leisten mussten, um diese Masse an Wortmeldungen abzuarbeiten und dabei wird es sicher nicht bleiben, denn die strafrechtliche Bewertung kostet auch Zeit und Manpower. Hinzu kommt, dass Facebook manchmal Streiche spielt und Kommentare nicht für alle sichtbar sind. Mit diesem Problem haben auch wir zu kämpfen.

Von unserer Warte aus haben die Regensburger Kollegen unser vollstes Verständnis!

Unser Verständnis für Sie, Frau Stamm, hält sich in Grenzen. Ganz im Gegenteil! Nach grober Durchsicht Ihrer Facebookpräsenz mussten wir feststellen, dass es dort sehr überschaubar zugeht. Reaktionen und Kommentare halten sich in Grenzen, von daher sehen wir es Ihnen nach, dass sie als “Facebook- und Reichweitenblinde” nicht verstehen, wie so etwas funktioniert.

Allerdings möchten wir auch Kritik an Ihnen los werden. Vor ihrem Kritikbeitrag am 17. Januar war diese für die Regensburger Kollegen schreckliche und gewaltsame Nacht keine einzige Erwähnung wert. Ihr Parteiprogramm war weitaus wichtiger, wie wir feststellen mussten. Und dass sie ihren Beitrag mit “Gute Besserung den Beamten!” einleiten, macht es keinen Deut besser. Die Kritik, die Sie üben, ist haltlos, unüberlegt und fern jeder Kenntnis über die Vorgänge eines solchen Beitrags.

Sie haben, um dieses Bild zu bemühen, einfach mal “aus der Hüfte geballert”. Das funktioniert nur im Krimi im Fernsehen oder auf der Kinoleinwand, aber nicht im wahren Leben (auch nicht online). Wenn doch, ist das ein Zufallstreffer. Den haben Sie aber nicht gelandet.

Wir wünschen uns, dass Sie sich mit dem Thema Polizei und Social Media auseinander setzen, damit solche Schnellschüsse nicht noch einmal vorkommen. Ansonsten sollten Sie Ihr Verhältnis zur Polizei – und insbesondere der heutigen modernen Bürgerpolizei – mal überdenken. Denn so etwas haben die Kollegen nicht verdient. Nicht die Kollegen des SMT und auch nicht die zwei schwer verletzt Kollegen!

Mit vielen Grüßen
Das Polizist=Mensch Team

PS: Wir wünschen den verletzten Kollegen auch weiterhin eine schnelle und vollständige Genesung und Verarbeitung!