Beamtin des Landeskriminalamtes Berlin setzt sich für Opfer von Hasskriminalität ein

15. Januar 2018 um 15:05 Uhr

Anne Griesbach-Baerns hilft Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen, die Opfer von Hasskriminalität wurden, sich zu wehren. Sie agiert als Ansprechperson der Polizei Berlin.

Routinemäßig bekam die LKA-Beamtin eine Anzeige von einem 28-jährigen Iraker auf ihren Schreibtisch.

Der junge Mann wurde kurz vor Weihnachten von einer Gruppe arabisch aussehender Männer zusammengeschlagen. Der 28-Jährige war mit seinem 23-Jährigen Begleiter auf der Sonnenallee angesprochen worden, weil er Ohrringe trug. Er wusste schon im Vorfeld, dass die Gruppe seine Ohrringe als Provokation ansahen würde, als die Obstkiste an seinen Kopf flog, wusste er es ganz genau. Der 28-Jährige erlitt Kopfverletzungen, sein 23-Jähriger Begleiter Arm- und Beinverletzungen.

Anne Griesbach-Baerns schrieb den beiden eine Mail, dass sich das LKA um die Angelegenheit kümmern würde und die Opfer lernten die LKA-Beamtin als eine besondere Vertrauensperson kennen. Denn in ihrer Mail stand nicht nur, dass sie als Opfer auch als Zeugen gehört würden, sondern dass sie als Opfer auch ernst genommen werden.

Hauptaufgaben der Kollegin sind: Opfern zuhören und auch das Misstrauen gegenüber der Polizei abbauen. “Es gibt in der Szene immer noch viel Misstrauen gegenüber der Polizei. Deshalb ist es wichtig, dass die Betroffenen wissen, dass es uns gibt“, sagt die 38-Jährige. Sie hat noch einen Kollegen als weitere Ansprechperson der Polizei.

Seit 26 Jahren gibt es bereits diese Ansprechpersonen bei der Polizei, jedoch sind sie seit zwei Jahren wichtiger als je zuvor. Alleine 2016 wurden 162 Anzeigen wegen Hasskriminalität erstattet. Darunter waren 62 Gewaltdelikte. 2015 waren es “nur” 118 und 2015 82. So kurios es klingt, es ist auch ein mutiges Signal. “Sie zeigt, dass sich immer mehr Menschen trauen, zur Polizei zu gehen.“

Die Dunkelziffer wird um ein vielfaches höher sein, was alleine die Zahlen des Schwulenprojekts Maneo belegen. Das Projekt notierte im Jahr 2016 291 Straftaten gegen Homosexuelle in Berlin. Vor allem seien Schwule oder transsexuelle Flüchtlinge Opfer von Gewalt. Als Täter sind wiederum oft Flüchtlinge in Erscheinung getreten.

Viele der Opfer fühlen sich alleine gelassen und genau hier kommt die LKA-Beamtin ins Spiel. Genau hier greift sie als Ansprechperson ein. Sie ist viel in Szenekneipen unterwegs und hinterlässt Infomaterial der Beratungsstellen. “Viele sind ganz erstaunt, dass es uns gibt.“ Und dann erfährt die Oberkommissarin von homophoben Vorfällen, die nie angezeigt wurden. “Stellen Sie eine Anzeige“, erwidert sie dann.

Wenn Opfer die Hemmschwelle überschreiten und Anzeige erstatten, stellt sich bei Anne Griesbach-Baerns ein Erfolgsgefühl ein.

Eine 38-Jährige Transfrau schrieb der Beamtin eine Mail, dass sie im Park angegriffen wurde. Die Beamtin überredete die 38-Jährige zur Anzeige. Kurz darauf bekam die LKA-Beamtin eine weitere Mail der Frau: “Sehen Sie mal, was aus ihrer Anzeige geworden ist.“ Die Polizei konnte anhand der Personenbeschreibung den Täter namentlich ermitteln.

Die Aufklärungsquote lag 2016 bei 40 Prozent. “Das ist eine gute Quote“, sagt Anne Griesbach-Baerns. Natürlich könnte diese höher sein, aber leider fehlt es auch hier an Personal. Zwei Personen reichen dafür einfach nicht mehr aus. Zu 99 Prozent ist das LKA für diese Fälle zuständig. Auch werden oft die Fälle gar nicht ans LKA weitergeleitet. “Oft erkennen die Kollegen vor Ort nicht, dass es einen Bezug zu Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung gibt“, sagt Anne Grießbach-Baerns.

Die Beamtin schult deswegen auch die Kollegen. Die Opfer müssten genauer befragt werden. Aber auch die Opfer müssen mehr mithelfen. Des öfteren rufen diese bei Anne Grießbach-Baerns an und schildern die Vorfälle ausführlich. “Haben Sie das so auch der Polizei gesagt?“, fragt die Oberkommissarin dann. “Nein, hätte ich das tun sollen?”

Die beiden Iraker hatten den Vorfall mit allen Details geschildert. Die Polizei reagierte sofort und suchte die Umgebung nach den Tatverdächtigen ab, leider ohne Erfolg.