Ein Einsatz den ich nicht vergessen kann (von Jonas)

13. Januar 2018 um 22:18 Uhr

Wenn Freud und Leid nah beieinander liegen

Wenn Freud und Leid nah beieinander liegen

Jonas aus Baden-Württemberg hat uns von einem Einsatz berichtet, der ihn bis heute beschäftigt – aus nachvollziehbaren Gründen. Denn wenn Freud und Leid in einem einzigen Einsatz so nah beieinander liegen, das ist schon heftig und rührend zugleich. Aber lest selbst:

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“Der Einsatz selbst liegt schon länger zurück, aber er beschäftigt mich immer noch.

Was war geschehen?

Wir wurden zu einem Unfall gerufen, zuerst einmal nichts besonderes, da dies täglich auf Deutschlands Straßen passiert. Aber dass dieser Einsatz uns noch Monate danach emotional beschäftigt, zeigt, dass es kein normaler Unfall war.

Ein Vater war mit seiner Tochter und Ehefrau unterwegs ins Krankenhaus, da die Tochter in den Wehen lag. Da noch Zeit war und es augenscheinlich noch etwas dauern würde bis zur Geburt, fuhr der Opa in spe auch den Verkehrsregeln angepasst.

Es war neblig und schon dunkel, von daher ließ er besondere Vorsicht walten. Doch dies half alles nichts… Plötzlich krachte es, der Wagen überschlug sich und landete auf dem Dach liegend im Graben. Der Unfallverursacher kümmerte sich nicht um die Verletzten, nein, er flüchtete von der Unfallstelle.

Gott sei Dank kamen an der Unfallstelle Menschen vorbei die den Unfall bemerkten, sofort halfen und die Rettungskräfte informierten.

Als wir an dem Einsatzort ankamen, war noch kein RTW oder Notarzt da. Die Mutter und die Tochter, die auf der Rückbank saßen, wurden leicht verletzt. Bei dem Vater sah es anders aus. Wir wägten ab und uns war sofort klar, dass der Vater die Hilfe dringender brauchte. Wir versuchten ihn zu reanimieren bis der Notarzt eintraf. Der untersuchte den Mann und schüttelte nur noch den Kopf. Die Verletzungen waren zu schwer.

Im selben Moment als der Notarzt den Kopf schüttelte fing die Tochter an zu schreien und nicht einmal eine halbe Stunde später war der kleine Mann geboren… im RTW.

Die Tochter bat uns den kleinen Mann ihrem Vater zu zeigen, da sie wusste, dass er nicht selbst kommen konnte. Wie sagt man einem Menschen, der gerade das größte Glück der Welt erfahren hat, dass der Vater fast im selben Moment gestorben ist?

Wir standen mit Tränen da und sie wusste was los war.

Auch heute schäme ich mich nicht für meine Tränen damals. Auch heute, Monate nach diesem traurigen und zugleich schönen Einsatz, haben wir noch Kontakt zu der Familie. Es war uns ein Bedürfnis uns um die kleine Familie, in der ein sehr wichtiger Mensch nun fehlt, zu kümmern.

Der kleine Mann wurde erst vor kurzem auf den Namen “Ralf Jonas Peter” getauft. Ralf der Vorname des Opas, Jonas mein Name und Peter der meines Kollegen. Es hat uns wieder zu Tränen gerührt.

Danke für das Vertrauen, dass wir symbolisch auch Taufpaten sein durften.”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt.