Fünf Verletzte, mehrere Streifenwagen stark demoliert: Lkw-Fahrer lässt sich bei Verfolgungsfahrt nur durch Polizeihubschrauber stoppen

25. Januar 2018 um 20:54 Uhr

Wir alle haben noch den schrecklichen Vorfall kurz nach Weihnachten 2017 im Kopf, wenn wir lesen, dass ein Lkw-Fahrer sämtliche Verkehrsregeln missachtete, Schlangenlinien fuhr und gezielt Verkehrsteilnehmer und Polizisten gefährdete, sogar schädigte. Das, was vorgestern Abend im Bereich Coburg (Bayern) geschah, hätte ganz anders ausgehen können.

Die Einsatzzentrale der Polizei in Mittelfranken erhielt gegen 21 Uhr die Mitteilung über einen Sattelzug, der einen Unfall verursachte hatte und anschließend geflüchtet war. Dieser befuhr Schlangenlinien fahrend die A73 und mehrere Streifen waren unterwegs, um den Lkw anzuhalten und den Fahrer zu kontrollieren.

Doch der Lkw-Fahrer dachte überhaupt nicht daran anzuhalten oder sich kontrollieren zu lassen. Im Polizeibericht heißt es, der Lkw-Fahrer “verschaffte sich rücksichtlos freie Bahn, indem er mit seinem Gespann gegen die zum Teil noch besetzten Streifenwagen fuhr und sie erheblich beschädigte.”

Von der A73 fuhr der Lkw auf die B4, fuhr weiterhin Schlangenlinie und gefährdete andere Verkehrsteilnehmer, während er beharrlich sämtliche Anhaltesignale der Polizisten missachtete. In Maroldsweisach fuhr der Lkw-Fahrer offenbar absichtlich in ein bereits stehendes Auto im Gegenverkehr, beschädigte das Fahrzeug und verletzte den Fahrer leicht.

Weiterhin fuhr der Lkw gegen eine Leitplanke und setzte seine Fahrt dann über die B4 als Geisterfahrer und ohne Beleuchtung fort. Ein zwischenzeitlich angeforderter Polizeihubschrauber kam nun zum Einsatz. Da die Streifen am Boden den Lkw nicht stoppen konnten, wandte die Hubschrauberbesatzung eine ungewöhnliche Taktik an: Sie blendeten mit ihrem Suchscheinwerfer den Lkw-Fahrer, so dass dieser nichts mehr sah und anhielt.

Nun konnten die Polizeikräfte am Boden zugreifen, die Seitenscheibe der Beifahrertür einschlagen, den Lkw-Fahrer heraus bugsieren und im Freien dann festnehmen. Bei dem Fahrer handelt es sich um einen 38-jährigen Mann aus Schleswig-Holstein, der offenbar unter Drogeneinfluss stand.

Wie das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Coburg gestern mitteilten, wird gegen den Lkw-Fahrer wegen versuchten Mordes in vier Fällen und wegen versuchten Totschlags ermittelt. Das Amtsgericht Kronach ordnete nach Antrag der Staatsanwaltschaft die Untersuchungshaft an.

Es wurden bei dieser Verfolgungsfahrt insgesamt fünf Personen verletzt und mehrere Streifenwagen und weitere Fahrzeuge stark demoliert. Der Sachschaden wird auf einen sechsstelligen Eurobereich geschätzt. Die Ermittlungen, auch zum genauen Verlauf der Verfolgungsfahrt, dauern an.

https://twitter.com/PolizeiOFR/status/956096955582697473

Was für eine Verfolgungsfahrt, unglaublich! Zum Glück kam offenbar niemand ernsthaft zu Schaden. Da der Polizeibericht nur von insgesamt fünf Verletzten spricht, gehen wir davon aus, dass es sich um vier Polizisten und einen anderen Verkehrsteilnehmer handelt (bitte korrigiert uns, falls wir falsch liegen).

Wir wünschen allen Verletzten gute Besserung und allen beteiligten Einsatzkräften eine gute Verarbeitung dieser Horrorfahrt, die sich nach unseren Informationen über zwei Stunden hinzog!