Gedanken eines Polizisten im Vers: Der Bulle von nebenan

12. Januar 2018 um 21:19 Uhr

Gedanken eines Polizisten im Vers: Der Bulle von nebenanWir werden nicht zu Partys gerufen, um da mitzufeiern.
Wir hören keine Musik, nur dieselben Leiern:
„Die da oben, die pogen schon seit zwei Tagen.
Holn se die mal raus, ick kann‘s nich mehr ertragen.“

Also hoch da…. in die gute Laune
und es gibt nen Dämpfer aus der Rechtsposaune:
„Beim nächsten Mal wird die Party aufgelöst“,
auch wenn die Hälfte schon besoffen in der Ecke döst.

Wir fahren durch die Stadt, sind immer da wo es knallt,
um sie abzufedern, … die Gewalt,
mit unseren Körpern und vor allem mit dem Verstand.
Polizei = Uniform + Mensch. Hat das jemand erkannt?

Am Ende der Nacht ein schöner Sonnenaufgang,
doch auch da hängt hin und wieder noch ein Toter dran.
Nach einer langen Schicht kommt man leer raus
und einen kleinen Teil nimmt man immer mit nach Haus.

Ich will es nicht verdrängen, nein, ich arbeite dran.
Ich bin einer von euch, der Bulle von nebenan.
Kumpel, liebender Vater, Ehemann
und acht Stunden am Tag der Bulle von nebenan.

Jeder hat das Recht hier frei zu sein.
Deshalb ist auch jeder hier, und mischt sich jeder ein.
Wir schützen Arme und Reiche,
Schwarze und Weiße,
Sozis und Kapitalisten,
Muslime und auch Christen.

Schützen Linke und Rechte
und bekommen zum Dank von allen auf die Fresse.

Da sind Naive… und auch die Militanten
und als Ziel suchen sie sich die Polizeivollzugsbeamten,
die helfen Freiheit zu erhalten; für die die Störer angeblich selber stehen;
nur will das nicht in ihre alternativen Köpfe gehen.

Tritt die Politik auf den Plan, geh ich besser in Deckung,
denn bekanntermaßen gibt’s da gleich die nächste Packung.

Es macht mich fast krank, ich komm nicht dagegen an.
Ich bin einer von euch, der Bulle von nebenan.
Kumpel, liebender Vater, Ehemann
und acht Stunden am Tag der Bulle von nebenan.

Wir sparen keine Kräfte, nein, wir sparen Personal.
Für die Leute an der Basis, wird das zur Qual.
Oh, es gab einen Terroranschlag…
na das versteht sich doch von selbst, da machen wir uns stark.

Also los, wir stellen Neue ein … Plakate überall.
Vielleicht ja doch etwas spät, … nach dem Knall!
Sie wollen zur Polizei? Ja es wäre uns ein Fest
Kevin – Jeremi – Pascal hier ist dein Einstellungstest.

Im Diktat, da sagen wir auch die Kommata an,
weil man das ja nun wirklich nicht wissen kann.

Da kann der preisgekrönte Gärtner probieren was er will,
er streut die Teuren samen auf einen Teil Müll.
Es ist die Sparpolitik mit der wir Sicherheit verdrängen
und weshalb Beamte Jobs an den Nagel hängen.

Ich hänge hier rum, so lang ich’s noch ertragen kann.
Ich bin einer von euch, der Bulle von nebenan.
Kumpel, liebender Vater, Ehemann
und acht Stunden am Tag Bulle von nebenan.

Die feinen Herr‘n von der Kripo, glaubst du, haben es leicht,
nichts zu befürchten, in ihrem Zweimannteich.
Jeden Tag von früh bis spät,
fast regungslos vorm Rechner, weil´s nur noch so geht.

Kommissare im Einsatz kenn ich nur, wenn sie auf dem Weg zum Drucker sind,
um die Berge von Papier zu holen oder weil die alte Technik spinnt.
Auf dem Boden Kisten voll mit Asservaten, in einem Meer von Akten,
doch die müssen jetzt mal warten.
Denn heute kam wieder ein kleiner Haschischdealer rein,
der wird in sechs Stunden beim Richter und in sieben draußen sein.

Es ist Toner in der Luft, der durch die Lunge zieht,
wenn man mal von der Akte hoch, durch das Fenster, nach draußen sieht.
Es war ja ihre Wahl und sie leben hier,
die Herr´n von der Kripo hinter Bergen von Papier.

Auch bei 40° im Schatten ein langes Beinkleid an.
Ich bin einer von euch, der Bulle von nebenan.
Kumpel, liebender Vater, Ehemann
und acht Stunden am Tag Bulle von nebenan.

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.