Gedanken eines Polizisten: Trauerkultur für getötete Kollegen

27. Januar 2018 um 23:11 Uhr

Gedanken eines Polizisten: Trauerkultur für getötete KollegenIm Nachgang zum schrecklichen Tod von Kollegin Yvonne aus Nordrhein-Westfalen und der Gedenkminute haben wir folgende Zuschrift eines Kollegen erhalten, die wir gerne und nachdenklich so weiter geben:

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“Was sind wir Polizisten wert?

Wir verstehen es nicht… Kollegen sind im Dienst gestorben. Im Dienst für Deutschland und seine Bürger. Aber eine bundesweite Gedenkminute muss genehmigt werden?

Was sind wir für unsere Dienstherrn? Eine Nummer? Mehr nicht? Müssen wir, wenn wir die Uniform anziehen, jegliche menschlichen Gefühle ausschalten? Wir sollen auf den Straßen funktionieren und genau das tun wir. Und ich mag behaupten, das sogar sehr gut!

Wir sind nicht nur Kollegen, wir sind eine Familie!

Jeden Tag gehen wir auf die Straßen, in die Einsatzzentralen, um für die Bürger dieses Landes da zu sein.

Wir ziehen alle dieselbe Uniform an.
Wir ziehen alle dieselben Stiefel an.
Wir kämpfen jeden Tag für dasselbe Ziel.

Die Dienstherrn müssten wissen, dass wir genau wissen, ob wir an einer Schweigeminute teilnehmen können oder nicht. Aber sie sollten uns Vertrauen, dass wir keinen Einsatz deswegen abbrechen. Wir wissen ganz genau, dass dies dann einfach nicht möglich ist. Aber sie sollten uns die Chance geben um unsere Brüder und Schwestern so zu trauern wie wir es möchten, wie wir es für angemessen halten.

Und genau das wollen wir… Trauern und unseren Kollegen gedenken – und das bundesweit.

Wir sind keine Nummern!

Wir sind Menschen mit Gefühlen und wenn einer/eine von uns stirbt, stirbt ein kleiner Teil von uns mit.”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt, er möchte jedoch anonym bleiben.