Schei***magnet unter den Kollegen: Eine Spurensuche

29. Januar 2018 um 23:06 Uhr

Schei***magnet unter den Kollegen: Eine SpurensucheEs gibt diese Kollegen, die einsatzmäßig oft ins Fettnäpfchen treten und die schwierigsten Sachverhalte aufnehmen müssen oder bei denen aus einem einfachen Sachverhalt ein Großeinsatz wird. Sie können nichts dafür, aber überproportional haben diese Kollegen nur solche Einsätze.

Für diese Kollegen gibt es einen Fachbegriff: “Scheißemagnet”, durchaus nicht böse gemeint, trifft den Nagel aber auf den Kopf. Ein Kollege, der sich selbst zu dieser Gattung Polizisten zählt, hat uns diese nicht ganz ernst gemeinten Worte zukommen lassen:

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“Viele kennen sie, alle fürchten sie. Die Rede ist vom Ünglückskollegen oder dem sog. ‘Scheißemagnet’. Das ist der Kollege, der zum einfachen Parkrempler ausrückt und mit einem 315c, Verstoß KrWaffKontrG, drölf offenen Haftbefehlen und einem Verstoß KrWG wieder zurück vom Einsatz kommt.

Wer sind diese Kollegen? Was haben sie mit ihrem Karma angestellt und schickt sie vielleicht der Feind? Eine Spurensuche.

Ich gehöre leider selbst zu den sog. ‘Scheißemagneten’ und muss damit leben. Nein. Ich muss nicht damit leben. Meine Streifenpartnerin muss es 😀 Daher habe ich mir angewöhnt, jeden, der mit mir fahren muss, vor Schichtbeginn daraufhin zu weisen.

Vielen fällt das schwer zu glauben und ich kriege dann immer zu hören: ‘Ach das glaube ich nicht, du bist doch so ein netter…“ Ja. Das eine hat aber nichts mit dem anderen zu tun. Wir ‘Scheißemagneten’ wissen das.

Hier nun das Paradebeispiel eines solchen Einsatzes mit mir.

Ich war neu auf dem Revier, hatte meinen damaligen Streifenpartner bereits vorgewarnt und auch er wollte es nicht glauben. Es war ein Spätdienst, es waren 40 Minuten bis Feierabend und draußen tobte ein Gewittersturm. Der besorgte und aufmerksame Bürger stellte fest, dass auf einer Baustelle ein Kran in einem Baum festhing (dort wurde nicht mehr gearbeitet).

Klingt nach einem 0815-Einsatz, oder? Hinfahren, schauen wem gehört das Ding, Baufirma verständigen und abbauen lassen, pünktlich zum Feierabend wieder drin. Tja, so hätte es meinem Streifenpartner auch ergehen können. Er war aber mit mir unterwegs.

Also lief das folgendermaßen ab:

Vor Ort SV bestätigt. Streifenpartner verständigt telefonisch die Baufirma. Alles so weit Wölkchen. Ich laufe um den Kran herum und höre ein Knirschen, die Art Geräusch, bei dem dir dein Urinstinkt selbst bei wenig technischem Verständnis sagt: hier stimmt was nicht.

Also den Kran mal genauer angeschaut und tadaaa: Die Betonstützen, auf denen er stand, waren gebrochen. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass der Kran zwischen großen Wohnhäusern stand. Aus einem 0815-Einsatz, wurde ein Einsatz mit THW, Feuerwehr, Höhenrettung, der Bauaufsicht etc.

Dienstende war dann etwa gegen 22:30 Uhr, da auch die beiden Mehrfamilienhäuser evakuiert werden mussten. Ich brauche natürlich nicht erwähnen, dass es auch geregnet hat und wir schön nass waren.

Als wir dann wieder im Streifenwagen saßen, hatte ich das ungute Gefühl, dass ich angestarrt werde. Ein Blick in Richtung Fahrersitz bestätigte dieses Gefühl. Mein Streifenpartner starrte mich an. Wasser ran über sein Gesicht und seine schreckgeweiteten Augen.

Es war still. Sehr still.

Und dann sagte er: ‘Du bist ein furchtbarer Mensch’… 😉
Ist ja nicht so, als hätte ich ihn nicht gewarnt…”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben. Ist vielleicht auch besser so 😉